Nach Corona
Ladensterben und Bauboom auf dem Land: So verändert Corona die Schweiz

Die Pandemie wirkt auf die räumliche Entwicklung der Schweiz wie ein Beschleuniger. Dies zeigt eine aktuelle Immobilienstudie der Credit Suisse.

Peter Walthard
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Von Home Office und Online-Shopping näher ans Zentrum gerückt: Region Egerkingen im Kanton Solothurn.

Von Home Office und Online-Shopping näher ans Zentrum gerückt: Region Egerkingen im Kanton Solothurn.

Keystone

Höheres Bevölkerungswachstum, mehr Homeoffice und Verlagerung des Konsums ins Internet: Diese drei Trends der Coronakrise dürften auch nach Abebben der Pandemie bleiben und den Immobilienmarkt in der Schweiz verändern. Und damit das Gesicht der Landschaft.

Eine am Dienstag vorgestellte Studie der Credit Suisse (CS) zeigt auf, wohin die Reise geht: Weil wegen der höheren Nettozuwanderung die Nachfrage nach Wohnraum weiter steigt, wird dieser in den städtischen Zentren und deren Agglomerationen für Haushalte mit bescheidenem Einkommen zunehmend unerschwinglich. Da sich Homeoffice zunehmend durchsetzt, kommen für viele nun aber auch abgelegenere Wohnorte infrage.

Arbeiten in Zürich – Wohnen in der Innerschweiz

Die Rechnung ist einfach: Wer nur noch drei statt fünf Tage die Woche ins Büro fahren muss, kann die frei gewordene Pendelzeit für längere Anfahrtswege nutzen. Wie die CS-Studie am Beispiel Zürich zeigt, kommen damit zunehmend auch Gebiete in der Innerschweiz, im Emmental oder am Jurasüdfuss als Wohnort für Leute infrage, deren Arbeitsplatz an der Limmat liegt.

Allerdings zeigten die Erfahrungen nach dem Lockdown auch, dass die Arbeitnehmer nicht ganz auf das Büro in der Zentrale verzichten wollten. Ein völliger Einbruch der Nachfrage nach Büroflächen ist also nicht zu erwarten. Auch gebe es keine langfristige Trendumkehr bei der Urbanisierung, so die Prognose der Credit Suisse. Wegen ihrer Infrastruktur und ihrer Lebensqualität blieben die Städte attraktiv. Die Büros würden verstärkt zu Orten der Begegnung und des Austauschs.

Büros bleiben, Fachgeschäfte verschwinden

Grosse Auswirkungen zeichnen sich dagegen beim Fach-Detailhandel ab, der sich oft entlang der Ausfallachsen der Zentren positioniert hat: Mehr Homeoffice heisst hier weniger Kundenfrequenz. In diesem Bereich sei ein massiver Strukturwandel zu erwarten, der sich nach der Pandemie fortsetzen werde, so die Studie der CS.

Ausgehend von 2013 sei bis 2028 damit zu rechnen, dass ein Drittel der Läden verschwinde, sagte der Leiter Immobilienanalyse, Fredy Hasenmaile, bei der Präsentation der Studie. Gewinner ist der Onlinehandel. Dieser verbraucht ebenfalls viel Fläche, allerdings nicht in der Agglomeration, sondern an gut erschlossenen Lagen in der Peripherie wie etwa dem Raum Egerkingen. Logistikflächen hätten Verkaufsflächen als Renditelieferanten abgelöst, so Hasenmaile.

Keine Abschwächung erwartet die CS beim Bevölkerungswachstum, dies auch dann nicht, wenn die Arbeitslosigkeit in der Schweiz steigen sollte. So habe sich die Nettozuwanderung im Krisenjahr 2020 von 53'000 auf 62'000 Personen erhöht, wie Immobilienökonom Fabian Waltert ausführte. Zwar seien weniger Personen in die Schweiz gekommen als im Vorjahr, die Rückwanderung sei aber viel stärker zurückgegangen, weil Ausländer die Schweiz in der Krise als «sicheren Hafen» wahrgenommen hätten. Für das Jahr 2021 rechnet die CS mit einem zuwanderungsbedingten Bevölkerungswachstum um weitere 55'000 Personen. Dies entspricht etwa der Bevölkerung der Stadt Biel.