Kommentar
Will die Kirche eine Zukunft, sollte die Zeit der zweideutigen Worte vorbei sein

Die katholische Kirche befragt die Gläubigen zur Zukunft der Institution. Es ist ein Fortschritt. Aber der entscheidende Schritt vorwärts fehlt noch.

Lucien Fluri
Lucien Fluri
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Wohin geht der Weg? Dies fragt sich die katholische Kirche derzeit.

Wohin geht der Weg? Dies fragt sich die katholische Kirche derzeit.

Archiv St. Galler Tagblatt

Progressive Bischöfe sind Meister im Spagat der Worte: Geht es um brisante Fragen, so vermeiden sie Klartext. Sie mogeln sich durch: Einerseits versuchten die Bischöfe, bei fortschrittlichen Gläubigen ein wenig Hoffnung auf Reformen und Veränderungen zu wecken. Andererseits sind sie besorgt, ja nicht zu fest an der römischen Doktrin zu rütteln.

Die Frage ist: Reicht diese gewundene Sprache, um Gläubige bei der Stange zu halten? Die Gefahr ist: Man erreicht bestenfalls noch die, die innerhalb der Kirche für Reformen kämpfen. All jene, die sich enttäuscht abgewendet haben, holt die Kirche nicht mehr zurück, wenn sie nur den kleinen Finger hinstreckt. Und wie sehr ein Grossteil des Landes sich von der Kirche abgewandt hat, zeigte sich bei der Abstimmung über die «Ehe für alle». Die Meinung der Katholischen Kirche hatte null Einfluss.

Nun legen die Bischöfe von St. Gallen, Chur und Basel ihren Gläubigen Fragen zur Zukunft der Kirche vor. Nein, brisante Themen wie Zölibat oder Frauen als Priesterinnen werden nicht thematisiert. Aber die Bischöfe wollen beispielsweise wissen, wie sich Frauen und queere Personen in der Kirche fühlen. Es ist endlich eine klare und direkte Sprache. Für die Katholische Kirche ist das ein Fortschritt. Zu einem richtigen Schritt vorwärts aber reicht es nicht, die richtigen Fragen zu stellen. Der Schritt gelingt erst, wenn die Kirche auch die richtigen Antworten auf die Fragen geben kann. Daran wird sie gemessen werden.

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