Entgleisungen
Schweizer Coronaskeptiker attackieren KZ-Gedenkstätte

Weil eine deutsche KZ-Gedenkstätte für eine Ausstellung den Zugang auf 2G beschränken musste, geriet sie in die Kritik von Coronaleugnern. Dabei kommen zahlreiche Mails aus der Schweiz.

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Das Lagertor des ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald.

Das Lagertor des ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald.

Keystone

Auch in Ausstellung der Gedenkstätte des KZ Buchenwald gilt mittlerweile 2G. Das ist eine Verordnung der Behörden. Und das sorgt für Entrüstung in Kreisen der Querdenker. Ausgerechnet, so die Logik dieser massnahmenkritischen Kreise, eine Stätte, die ein Mahnmal gegen die Ausgrenzung sein sollte, betreibe nun Ausgrenzung. Von hunderten Mails und Kommentaren berichtet das deutsche Magazin «Spiegel».

«Seit einigen Tagen hetzen rechte und verschwörungsideologische Blogger in den sogenannten ‹alternativen› Medien gegen die Gedenkstätte Buchenwald und ihre Mitarbeiter:innen», schreibt Jens-Christian Wagner
Direktor der Stiftung Gedenkstätte Buchenwald auf der Homepage. «Am widerlichsten ist aber, dass die Corona-Schutzmassnahmen mit den NS-Verbrechen gleichgesetzt sowie Ungeimpfte als ‹neue Juden› und Gedenkstättenmitarbeiter:innen als Nazis, Faschisten und neue Dr. Mengeles beschimpft werden», so Wagner.

«Kernland der Querdenker»

Spannend ist die Herkunft der Absender dieser Hass-Mails: «Die meisten Mails kamen aus dem südwestdeutschen und Schweizer Raum», sagt Wagner dem «Spiegel». Dies sei das «Kernland der Querdenker». Er wehrt sich entschlossen gegen die Vergleiche der Skeptiker, sie seien verfolgt, wie damals die Juden im Dritten Reich: «Ungeimpfte werden in keinerlei Weise bedroht und müssen nicht um ihr Leben fürchten (ausser durch eine Corona-Infektion). Sie werden nicht verfolgt, verschleppt oder ermordet.» Es sei «hanebüchen» die jetzige Situation mit jener während der Nazi-Diktatur gleichzusetzen.

Das KZ Buchenwald war eines der grössten seiner Art auf deutschem Boden. Es befindet sich in der Nähe von Weimar. Die meisten Häftlinge wurden zur Arbeit für die nationalsozialistische Rüstungsindustrie gezwungen. Über 56'000 Menschen fanden dort den Tod, sie wurden gefoltert, erschossen oder wurden Opfer von medizinischen Experimenten. Bis auf die Ausstellungen, die in geschlossen Räumen sind, sind die meisten Teile der Gedenkstätte ohne Einschränkungen zugänglich. (mg)

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