Ein Jahr Corona
Unispitäler behandelten 40 Prozent der Coronapatienten – Personal am Anschlag

Die fünf Schweizer Universitätsspitäler kamen in der Pandemie an ihre Belastungsgrenzen, die Kapazitäten auf den Intensivstationen wurden massiv ausgebaut. Dennoch verzeichnen sie einen Verlust von 86 Millionen.

Alice Guldimann
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Am Donnerstag zogen die Universitätsspitäler Zürich, Genf, Lausanne, Basel und die Berner Inselgruppe Bilanz nach einem Jahr Coronapandemie. Personell und finanziell war es ein sehr belastendes Jahr, wie die fünf Spitaldirektoren vor den Medien am Donnerstag darlegten. «Das System wurde an seine Grenzen gebracht», sagte Uwe Jocham, Direktionspräsident der Inselgruppe. Auch die aktuell dritte Coronawelle sei für die Spitäler nach wie vor eine hohe Belastung:

Personell und finanziell: Corona-Pandemie belastete Unispitäler stark

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Die intensivmedizinischen Kapazitäten wurden um 65 Prozent auf insgesamt 378 Betten ausgebaut. Dies machte es möglich, dass die Unispitäler 40 Prozent der stationären Covid-Fälle in der Schweiz behandeln konnten. Bei den übrigen stationären Fällen beträgt dieser Anteil laut Mitteilung knapp 20 Prozent.

Insgesamt wurden 2020 in den fünf Universitätsspitälern 8153 Covid-Patienten stationär betreut, davon 1295 auf der Intensivstation, wie die neu publizierten Zahlen zeigen. Ihre Überlebensrate betrug gesamthaft 88 Prozent, bei den Intensivpatientinnen 80 Prozent. Die Spitzenbelegung der Intensivstationen wurde dabei im letzten November erreicht. «Spielraum hätte da ohne massiven Ausbau für nicht-Covid-Fälle, geschweige denn für ein Grossereignis, kaum mehr bestanden», heisst es in der Mitteilung.

Die Universitätsspitäler verzeichneten 2020 grosse Ertragseinbrüche. (Symbolbild)

Die Universitätsspitäler verzeichneten 2020 grosse Ertragseinbrüche. (Symbolbild)

Keystone

Minus von 86 Millionen Franken

Das Personal sei nach einem Jahr Pandemie am Anschlag und ausgelaugt, schreiben die Spitäler weiter. Insgesamt wurden an den Spitälern mindestens 5250 Mitarbeitende positiv auf Covid-19 getestet. Eine Person ist an den Folgen des Virus gestorben. Dennoch berichten die Spitaldirektoren laut Mitteilung von einer hohen Einsatzbereitschaft und Motivation der Mitarbeitenden und Medizinstudierenden.

Die Coronakrise brachte auch eine grosse finanzielle Belastung. So betrug der Ertragsausfall aller fünf Universitätsspitäler im letzten Jahr im stationären Bereich 202 Millionen Franken, dazu kamen Coronaspezifische Personal- und Sachaufwände von 340 Millionen. Auch Kantonsbeiträge von 375 Millionen Franken reichten gemäss Mitteilung nicht aus, um die Verluste abzufedern, die schlussendlich 86 Millionen Franken betrugen.

Damit die Universitätsspitäler auch in Zukunft die Infrastruktur und den heutigen klinischen Standard gewährleisten können, brauche es in den Finanzierungssystemen «zwingend eine separate Betrachtung der Universitätsspitäler bei der Festlegung der Baserate». Letztere ist der Basispreis, der zur Berechnung der Fallzahlen verwendet und durch die Versicherer und Leistungserbringer festgelegt wird. Darüber hinaus fordern die Spitäler eine differenzierte Abgeltung im Tarifsystem SwissDRG.