Bundesanwaltschaft
«Vorwurf ist haltlos»: Sepp Blatter wehrt sich gegen Anklage und kritisiert Fifa

Nach der Anklage der Bundesanwaltschaft wegen unrechtmässiger Zahlungen nimmt Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter ausführlich Stellung. Dabei spart er nicht mit Kritik am Weltfussballverband.

Samuel Thomi
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Sepp Blatter (l.) wehrt sich gegen die Anklage, er habe Michel Platini 2011 unrechtmässig 2 Millionen Franken überwiesen. (Archivbild)

Sepp Blatter (l.) wehrt sich gegen die Anklage, er habe Michel Platini 2011 unrechtmässig 2 Millionen Franken überwiesen. (Archivbild)

Keystone

Die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft sind happig: Joseph «Sepp» Blatter, Präsident des Weltfussballverbands (Fifa) von 1998 bis 2015, wirft sie Betrug, Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung vor. Im gleichen Fall zerrt die Bundesanwaltschaft auch Michel Platini vor Gericht – dies ebenfalls unter anderem wegen Betrugs.

Grund für die vor gut zwei Wochen durch die Bundesanwaltschaft publik gemachte Anklage ist eine angeblich unrechtmässige Zahlung an Platini in der Höhe von 2 Millionen Franken, die Blatter 2011 in seiner Funktion als Fifa-Präsident erwirkt haben soll. Platini hatte eine Forderung in dieser Höhe geltend gemacht. Der Franzose, zum Zeitpunkt der Zahlung Präsident des europäischen Fussballverbands (Uefa), war von 1998 bis 2002 als Berater für Blatter tätig gewesen. Zum geforderten Strafmass hat sich die Bundesanwaltschaft bislang nicht geäussert. Auch ein Datum für einen Prozess ist noch nicht bekannt.

«Beenden, was ich mit Platini angefangen hatte»

Nun nimmt Sepp Blatter in einem Interview in der «SonntagsZeitung» ausführlich Stellung zur Anklage. Er weist den Vorwurf als «haltlos» zurück, die 2-Millionen-Zahlung sei eine Abfindung an Uefa-Mann Platini gewesen, dass dieser nicht gegen ihn als Fifa-Präsident kandidiert. Der Beratervertrag mit Platini sei zwar mündlich abgeschlossen worden, es gebe aber Zeugen. Und überhaupt sei auch die finale Überweisung 2011 von allen Fifa-Gremien «abgesegnet» worden. Sepp Blatter:

«Es ging mir mit der Zahlung bloss darum, zu beenden, was ich mit Platini angefangen hatte.»

Dass er damals nochmals antrat als Fifa-Präsident, sei überdies «nicht mein bester Entscheid» gewesen, so Blatter rückblickend. «Heute weiss ich das. Platini wusste schon damals, dass etwas mit der Wahl nicht stimmte.» Der französische Ex-Fussballer Michel Platini habe seinem Bruder am Vortag des Fifa-Kongresses gesagt, «dass ich die Wahl absagen oder verschieben solle – sonst würde ich von der Polizei abgeführt».

«Respektlos und schmerzlich»

Die Polizei tauchte dann tatsächlich frühmorgens in Zürich im Hotel Baur au Lac auf. Obwohl die folgenden Ermittlungen «nichts ergeben» hätten, stehe er seither als Betrüger da, kritisiert Sepp Blatter. Strafrechtlich habe er sich nichts vorzuwerfen. Geld habe er nie angenommen, ein einziges Mal als früherer Generalsekretär habe man es versucht.

«Ich musste diesen Sommer an vier Tagen zur Einvernahme, obwohl ich nicht gut ‹zwäg› war», sagt Sepp Blatter weiter. «Das Schlimmste» sei dabei, dass die Fifa Mitanklägerin ist. Dass der Weltfussballverband unter unter dem neuen Präsidenten Gianni Infantino seinen Ex-Präsidenten anklage, sei «respektlos und schmerzt mich ganz persönlich», sagt Blatter. Denn die umstrittene Zahlung sei jahrelang kein Thema gewesen, bis sich Ex-Bundesanwalt Michael Lauber mit Gianni Infantino mehrmals traf.

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