Verlust
Grosses Bienensterben: Jedes fünfte Bienenvolk hat den Winter nicht überlebt

Den Schweizer Bienenvölkern geht es schlecht: Jedes fünfte Volk überstand die kalte Jahreszeit nicht. Das ist der höchste Verlust seit zehn Jahren. Der warme Frühling lässt dafür für die Honigernte hoffen.

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Den Schweizer Bienen geht es nicht gut. Das schlechte Wetter im vergangenen Jahr setzte ihnen zu.

Den Schweizer Bienen geht es nicht gut. Das schlechte Wetter im vergangenen Jahr setzte ihnen zu.

Keystone

Das vergangene Jahr war ein schwieriges für die Schweizer Bienenvölker und damit auch für die Imker. Der kalte und nasse Frühling und Sommer setzte den Bienen arg zu. Denn wenn es regnerisch und kalt ist, fliegen die gelb-schwarzen Insekten nicht aus. Das ist nicht nur schlecht für die Honigernte, sie können so auch keine Reserven für die kalte Jahreszeit anlegen. Die Varrora-Milbe, ein Parasit der Bienen, konnte sich ebenfalls stärker ausbreiten.

So haben denn auch 21,4 Prozent der im Herbst 2021 ein- und in diesem Frühjahr ausgewinterten Bienenvölker den Winter nicht überlebt, wie der Dachverband der Schweizerischen Bienenzüchtervereine Apisuisse am Mittwoch mitteilte. Dies sei der höchste Verlust seit zehn Jahren.

Dazu kommen weitere Verluste vor dem Einwintern und schwache Völker nach dem Auswintern, die sich nicht zu einem Wirtschaftsvolk entwickeln konnten. Laut Apisuisse sind «mehr als ein Drittel der Bienenvölker in der Schweiz vor und während des letzten Winters eingegangen beziehungsweise konnten sich nicht zur überlebensfähigen Grösse entwickeln».

Einige Kantone stärker betroffen

Allerdings sind nicht alle Kantone gleich stark betroffen: So verzeichneten die Kantone Bern, beide Basel, Genf, Jura, Luzern, Schaffhausen, Solothurn und Waadt eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Winterverluste. Der Verband spricht diesbezüglich von einer «dramatischen Entwicklung». Auch die Kantone Thurgau und Zürich hatten höhere Verluste als im Vorjahr.

Das Tessin erlitt dagegen weniger Verluste. Der Südkanton wurde im vergangenen Jahr vom schlechten Wetter weitgehend verschont und lieferte Honigerträge. Dies lasse auf eine gute Nahrungsversorgung der Bienen schliessen, heisst es weiter.

Dank warmem Frühling mehr Zeit fürs Sammeln

Eine Voraussage auf die Ernte lässt sich damit jedoch nicht machen, denn diese hängt mit dem Wetter zusammen. Wie es beim Verband auf Anfrage heisst, ist die Honig-Produktion der Bienen in diesem Jahr aber zumindest schon mal gut angelaufen: Da der Frühling warm war, flogen die Bienen früher aus. Damit haben sie mehr Zeit zum Sammeln.

Der Verband warnt davor, dass die Nahrungsbasis der Bienen schmal ist. «Besonders in den Sommermonaten finden sie auch in ‹normalen› Jahren wenig», schreibt Apisuisse. Eine gezielte Verbesserung des Blütenangebots könne solche Situationen für Wild- und Honigbienen künftig entschärfen. Der Verband ist diesbezüglich politisch und mit eigenen Projekten aktiv. (abi)