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Coronapandemie verstärkt die Schieflage zwischen den Geschlechtern

Mehr Kinderbetreuung, kleinere Arbeitspensen und teilweise weniger Hilfe: Frauen waren stärker von der Coronakrise betroffen als Männer. Vor allem Frauen mit Kleinstpensen gehören zu den Verliererinnen der Pandemie. Eine neue Studie gibt Empfehlungen ab.

André Bissegger
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Frauen litten stärker unter der Coronapandemie als Männer. Kosmetikerinnen erhielten beispielsweise weniger Unterstützung als erwartet. (Symbolbild)

Frauen litten stärker unter der Coronapandemie als Männer. Kosmetikerinnen erhielten beispielsweise weniger Unterstützung als erwartet. (Symbolbild)

Keystone

Gleich zu Beginn der Pandemie zeigte sich: Frauen und Männer waren unterschiedlich von der Krise betroffen. Zwar wurden Berufe mit hohen Frauenanteilen wie Pflege oder Kinderbetreuung quasi über Nacht als systemrelevant anerkannt. Gleichzeitig forderten Schulschliessungen und das Homeoffice etablierte familiäre Betreuungsarrangements heraus.

Die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen (EKF) gab daher eine Geschlechteranalyse in Auftrag. Sie wollte etwa wissen, wie sich die Massnahmen wie eben Kita- oder Schulschliessungen oder die Homeoffice-Pflicht auf Männer und Frauen ausgewirkt haben. Nun liegen die Resultate vor. Das Fazit: Die Geschlechterungleichheiten haben sich verschärft – vor allem auch, weil sie bereits bestehende Schieflagen trafen.

So haben etwa die Schliessung von Betreuungs- und Bildungseinrichtungen die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung verstärkt, wie die EFK am Montag mitteilte. Frauen übernahmen mehr Kinderbetreuung und reduzierten ihre Erwerbstätigkeit. Auch verschärfte die Homeoffice-Pflicht teilweise Vereinbarkeitskonflikte – vor allem, wenn die Rahmenbedingungen nicht geregelt waren und gleichzeitig Kinder betreut werden mussten, wie es weiter heisst.

Frauen litten finanziell mehr unter Pandemie

Obwohl dank der Finanzhilfen viele Stellen erhalten werden konnten, war die Beschäftigung in einigen Branchen stark rückläufig – etwa im Gastgewerbe. Gemäss EKF ging das Arbeitsvolumen bei Frauen mit Arbeitspensen von unter 50 Prozent am stärksten zurück. Und auch wenn das generelle Lohnniveau dank der Finanzspritzen nicht sank, spitze sich die Lage am unteren Ende der Einkommen zu: «Vor allem Haushalte mit tiefen Einkommen und damit überdurchschnittlich viele Frauen verdienten weniger.»

Auch erhielten Branchen wie Coiffeur- oder Kosmetiksalons, die einen hohen Frauenanteil aufweisen, weniger Hilfe als erwartet. Selbstständige bekamen zwar einen Covid-Erwerbsersatz. Die EKF vermutet jedoch, dass Solo-Selbstständige mit Teilzeitpensum das festgesetzte Mindesteinkommen nicht immer erreichten und so nicht unterstützt wurden.

Und für solche, die ganz von den Covid-Hilfen ausgeschlossen waren, war die Krise gar «prekär» – das betraf vor allem Beschäftigte in privaten Haushalten. Fast 90 Prozent davon sind Frauen, haben oft ein sehr tiefes Einkommen und einen unsicheren Aufenthaltsstatus.

Empfehlungen trotz fehlender Daten

Die EKF kritisiert, dass nicht von Anfang an geschlechtsspezifische Daten erhoben wurden. So wisse man beispielsweise nicht, wie viele Frauen und Männer bei der Kurzarbeit Gelder erhalten hätten. Trotz der so erschwerten Bedingungen hat die Kommission Empfehlungen herausgearbeitet. Denn für sie ist klar: Je gleichberechtigter eine Gesellschaft ist, desto widerstandsfähiger ist sie auch gegenüber Krisen. Deshalb sieht sie auch den Bund in der Pflicht, die Gleichstellung voranzutreiben.

Empfohlen wird etwa, die Familien- und schulergänzende Kinderbetreuung und deren Finanzierung durch die öffentliche Hand auszubauen. Zudem sollen Rahmenbedingungen für Homeoffice definiert und die Erwerbsintegration von Frauen gestärkt werden. Eltern sollen ein Anrecht auf eine Pensenreduktion nach der Geburt eines Kindes mit Rückkehrrecht auf das ursprüngliche Pensum haben.

Weitere Empfehlungen betreffen etwa die Nachqualifizierung von Frauen, die Aufwertung von Tieflohnarbeiten und die Bedürfnisse von Kleinunternehmen in frauentypischen Branchen.

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