Abstimmung
Referendum gegen Organspende: Komitee erhält Schützenhilfe von der EDU

Ein Komitee wehrt sich dagegen, dass jeder automatisch zum Organspender wird, sofern er nicht aktiv widerspricht. Nun unterstützt auch die EDU Schweiz das Referendum.

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Heute muss man zu Lebzeiten zustimmen, um Organspender zu werden. (Symbolbild)

Heute muss man zu Lebzeiten zustimmen, um Organspender zu werden. (Symbolbild)

Keystone

Für eine Organspende soll künftig keine explizite Zustimmung mehr nötig sein. Das hat das Parlament in der Herbstsession als indirekten Gegenvorschlag zur Initiative «Organspende fördern - Leben retten» beschlossen. Anders als die Initianten sieht dieser eine erweiterte Widerspruchslösung vor, in der die Angehörigen in die Entscheidung einbezogen werden müssen und eine Organspende auch ablehnen können.

Nachdem die Initianten ihr Anliegen zugunsten des Gegenvorschlags zurückgezogen haben, hat ein Komitee diese Woche das Referendum gegen die Vorlage lanciert. «Ein solch fundamentaler Paradigmenwechsel» solle nicht vollzogen werden, ohne das Volk hinzuzuziehen, argumentiert das Komitee.

Gefragt sind 50'000 Unterschriften

Nun erhält es Schützenhilfe durch die EDU Schweiz. Die Delegierten sprachen sich mit 53 zu 3 Stimmen dafür aus, das Referendum zu unterstützen, wie die Partei am Samstag bekannt gab. Die Verfassung garantiere jedem Menschen das Recht auf körperliche Unversehrtheit und auf Selbstbestimmung. Bei der Widerspruchsregelung müsse dies speziell eingefordert werden, kritisiert die EDU. Schweigen bedeute eben nicht Zustimmung.

Dem Gegner-Komitee gehören verschiedene Vertreter aus Politik, Ethik und Theologie an. Darunter die Berner EVP-Nationalrätin Marianne Streiff, die Berner Universitätsprofessorin für öffentliches Recht, Franziska Sprecher, und Niklaus Herzog, der ehemalige Geschäftsführer der Zürcher Ethikkommission. Damit das Referendum zustande kommt, müssen bis zum 20. Januar 2022 mindestens 50'000 Unterschriften gesammelt werden.

Antwort auf Organmangel

Für das Parlament ist der Systemwechsel bei der Organspende eine konkrete Antwort auf den Organmangel. Im letzten Jahr starben 72 Menschen, die sich auf der Warteliste befanden. Von der erweiterten Widerspruchslösung erhofft sich das Parlament, dass die Zahl der Spenderinnen steigt.

Nicht gerüttelt wird mit der neuen Regelung an den Voraussetzungen für eine Spende: Organe spenden können nur Menschen, die im Spital einen Hirntod infolge Hirnschädigung oder Kreislauf-Stillstand erleiden. Verstirbt jemand zu Hause oder ausserhalb des Spitals, ist eine Organspende nicht möglich. (agl/rwa)

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