Drohende Katastrophe
Bergung von kaputtem Öltanker vor Jemen kann beginnen – sobald das Geld dafür fliesst

Die UNO hat für die Bergung eines alten Öltankers im Roten Meer genug Geldzusagen erhalten. Allerdings kritisiert Greenpeace, dass die meisten Länder das Geld noch nicht überwiesen hätten. Weil die Schweiz eine deutlich tiefere Summe gesprochen hat als andere Staaten, geriet sie zuvor in Kritik.

Dario Pollice
Drucken
Die «FSO Safer» konnte wegen des Bürgerkriegs im Jemen nicht mehr gewartet werden. Der Tanker befindet sich in einem desolaten Zustand.

Die «FSO Safer» konnte wegen des Bürgerkriegs im Jemen nicht mehr gewartet werden. Der Tanker befindet sich in einem desolaten Zustand.

Keystone

Vor der Küste Jemens droht eine riesige Umweltkatastrophe. Grund für die Besorgnis ist ein über 40-jähriger Öltanker, der seit 2015 im Roten Meer liegt. Die Vereinten Nationen haben bereits zuvor gewarnt, dass die mit über 140’000 Tonnen Rohöl beladene «FSO Safer» auseinanderbrechen könnte. Um eine Katastrophe zu verhindern, soll nach Plänen der UNO das Öl auf ein anderes Schiff gepumpt und die Tanks des Schiffs nach dem Umladen gereinigt werden. Dafür braucht die Organisation aber Geld.

Bei einer Geberkonferenz im Mai wollte die UNO 80 Millionen US-Dollar sammeln, stattdessen kamen von den Regierungen nur 61 Millionen zusammen. Nun scheint eine Rettung doch noch möglich. Die UNO hat am Mittwochabend am Rande der Generalversammlung in New York mitgeteilt, dass sie für die Bergung Zusagen von insgesamt 77 Millionen Dollar erhalten hat.

Der humanitäre Koordinator der Vereinten Nationen für den Jemen, David Gressley, sprach von einem «bedeutenden Meilenstein», der erreicht worden sei. Dazu hätten nebst 17 Länder auch der private Sektor, philanthropische Stiftungen und eine im Juni gestartete «sehr erfolgreiche» Crowdfunding-Initiative beigetragen, heisst es.

Weitere Gelder sind nötig

Die zugesagten 77 Millionen Dollar decken indes nur die erste Phase der Rettungsaktion ab. Für die zweite Phase benötigt die UNO nochmals mehr als 30 Millionen Dollar, um den Tanker abzuschleppen und zu entsorgen. David Gressley zeigt sich jedoch zuversichtlich. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace gibt sich in einer Stellungnahme zunächst erleichtert über die Zusagen der Regierungen. Gleichzeitig moniert sie, dass Stand Mitte September bislang erst Schweden, Frankreich, Finnland und die Schweiz das Geld für die Bergung überwiesen hätten.

Weiter bemängelte die Organisation, dass grosse Ölkonzerne in den vergangenen zwei Quartalen «Rekordgewinne» erzielt hätten, aber keines dieser Unternehmen Mittel für die Rettungsaktion gesprochen habe.

Bescheidener Beitrag der Schweiz

Als die UNO im Mai die Geberkonferenz für die Rettungsaktion durchführte, zählten zu den grössten Geldgebern die USA und Saudi Arabien mit je 10 Millionen Dollar. Deutschland hat nach eigenen Angaben 12 Millionen in Aussicht gestellt, die Niederlande 7,9 Millionen, Grossbritannien 5 und Schweden 3,1. Im Gegensatz dazu fiel der Beitrag der Schweiz bescheiden aus: Sie stellte 300’000 Dollar zur Verfügung. Darob zeigte sich Greenpeace enttäuscht. Sie forderte in einem Brief Aussenminister Ignazio Cassis auf, den Betrag «substanziell» aufzustocken.

Dem ist das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) nicht nachgekommen. Das EDA relativierte damals, dass andere europäische Länder teilweise Gelder «im gleichen Umfang» gesprochen hätten. Zudem helfe die Schweiz der UNO bei der Kontaktherstellung mit Firmen, welche als mögliche Geldgeber in Frage kommen könnten. Der Bundesrat bekräftigte indes am Montag bei der Fragestunde im Parlament, dass die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) «relevante Unternehmen mit Sitz in der Schweiz» kontaktiert habe, um sie zur Teilnahme am Rettungsplan einzuladen.

Sollte das Schiff auseinanderbrechen, wären die Folgen eines Ölteppichs der UNO zufolge katastrophal. Dieser würde nicht nur die Fischergemeinden an der jemenitischen Küste verwüsten, sondern hätte auch massive Auswirkungen auf die Meereslebewesen. Alleine der finanzielle Aufwand für die Säuberung des Meeres wird aktuell auf 20 Milliarden Dollar geschätzt.