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Wasserdampf statt Abgase: Ist Wasserstoff der Stoff, aus dem die Zukunft ist?

Der Toyota Mirai produziert statt Abgas ausschliesslich Wasserdampf.

Der Toyota Mirai produziert statt Abgas ausschliesslich Wasserdampf.

Funktioniert das Brennstoffzellen-Auto im Alltag? Und ist Wasserstoff eine Alternative zum Benzin? Eines steht fest: Die Infrastruktur muss noch wachsen. Doch das braucht Zeit. Der Toyota Mirai im Test.

Die Produktion, der Transport und die Lagerung von Wasserstoff ist komplex. Entsprechend ist das Aufbauen eines flächendeckenden Tankstellennetzes nicht von heute auf morgen möglich. Aber: Ohne ein Angebot an Brennstoffzellen-Autos wird es auch keine Tankstellen geben. Toyota nimmt mit dem Mirai einen Anlauf und bietet ein Auto mit Wasserstoffantrieb zum Kauf an. Und das, obwohl derzeit nur zwei funktionierende Tankstellen verfügbar sind. Grössere Reisen sind also nur mit viel Planung möglich, wenn überhaupt; schade, denn eigentlich wäre der 4,89 Meter lange Japaner ein vorzüglicher Reisewagen mit fast geräuschlosem und geschmeidigem Antrieb, bequemen Sitzen und sehr komfortbetonter Federung.

Dass der Mirai so konsequent auf bequemes Fahren ausgelegt ist, macht durchaus Sinn. Denn mit 154 PS und 335 Nm Drehmoment kann der gut 1,9 Tonnen schwere Japaner zwar souverän im Verkehr mitschwimmen, der unmittelbare und drehmomentstarke Antritt, wie man ihn von batterie-elek-trischen Autos kennt, ist aber weniger deutlich spürbar.

Dafür hat der Wasserstoffantrieb Vorteile, wenn es darum geht, in kurzer Zeit viel Reichweite nachzutanken. Über eine Hochdruck-Tanksäule mit 700 bar bekommt man innert weniger Augenblicke bis zu 5 kg Wasserstoff in den Tank. Laut Werk reicht dies für bis zu 500 Kilometer; im Test auf Winterreifen und bei tiefen Temperaturen war nach 370 bis 400 Kilometern Schluss. Für ein Kilo Wasserstoff bezahlt man derzeit knapp elf Franken, was laut Werksangabe für 100 Kilometer Fahrt reicht. Man fährt also ungefähr gleich teuer wie mit einem Benziner, der um die 7 l/100 km verbraucht. Und genauso simpel. Wären Tankstellen vorhanden, käme man mit dem Mirai im Alltag problemlos zurecht. Es stellt sich also nur die Frage, ob sich der Wasserstoffantrieb als solcher durchsetzen wird oder der simplere batterie-elektrische Antrieb die erste Wahl sein wird.

Unabhängig davon muss der Mirai auch als Auto überzeugen können. Während man vorn sehr bequem sitzt, mangelt es hinten für Grossgewachsene etwas an Kopffreiheit. Zudem ist der Mirai ein reiner Viersitzer mit zwei Einzelsitzen im Fond.

Der Kofferraum ist mit 361 Litern Ladevolumen an sich geräumig; leider lassen sich aber die Rücksitze nicht umklappen, sodass sperrige Gegenstände keinen Platz finden.

Der Innenraum wirkt luftig und ist futuristisch gestaltet, nur das Touchscreen-Navigationssystem wird dem Zukunftsanspruch mit einer eher altbacken anmutenden Darstellung nicht ganz gerecht. Dafür lässt es sich einfach und ohne Rätsel bedienen. Die Verarbeitung wirkt durchaus solid und hochwertig – was aber auch so sein muss.

Denn der grösste Knackpunkt am Toyota Mirai ist, nebst der fehlenden Infrastruktur, sein noch hoher Preis. Die komplexe Technik mit einer Brennstoffzelle, die Wasserstoff in Strom umwandelt und damit den E-Motor antreibt, ist noch selten und entsprechend teuer. In der Schweiz kostet der Toyota Mirai daher satte 89'900 Franken. Das macht den auffällig gezeichneten Japaner zum teuren Statement, das auf eine bessere Infrastruktur angewiesen wäre.

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