Überstunden
Ein Hoch auf unsere Beamten!

In der Corona-Pandemie leisten Tausende von Staatsangestellten Überstunden. Eine Personalumfrage zeigt nun: Die Zufriedenheit hat zugenommen. Ein Widerspruch? Ganz im Gegenteil.

Patrik Müller
Patrik Müller
Drucken
Teilen
Verkörperung des produktiven, glücklichen Beamten: Daniel Koch, inzwischen pensioniert (zumindest beim Bund).

Verkörperung des produktiven, glücklichen Beamten: Daniel Koch, inzwischen pensioniert (zumindest beim Bund).

Keystone

Spätestens seit Emil wissen wir um das Parodiepotenzial von Staatsbediensteten. Vom Telegrafen- bis zum Einbürgerungsbeamten – Emil Steinberger, gelernter Postbeamter, hat sie alle liebevoll persifliert. Auch für eher plumpen Humor eignet sich die Berufsgruppe wie keine zweite. «Geht ein Beamter zur Arbeit...» Ha!

In der Corona-Pandemie glaubt wohl keiner mehr, unsere Beamten würden nur Däumchen drehen. Von den Gesundheitsbehörden über die Arbeitsvermittler bis zu den Finanzverwalterinnen: Viele von ihnen werden gerade dem Stresstest ihres Lebens unterzogen. Leid tun müssen sie uns nicht. Sie haben sichere Stellen, während Chrampfer-Berufe wie jene im Gastgewerbe Zwangsferien haben. Dort bangt man um die Existenz.

Bei den Bundesangestellten zeigt sich zudem ein interessantes Phänomen. Eine Personalumfrage unter den 35'000 Mitarbeitenden mitten in der zweiten Corona-Welle ergab, dass die Zufriedenheit in der Krise zugenommen hat. Vor allem in jenen Ämtern, die durch die Pandemie stark gefordert sind.

Wenn in Ueli Maurers Departement Überstunden geschoben werden, weil die Covid-Kreditprogramme unter Hochdruck erarbeitet werden müssen, setzt das offenbar mehr Glücks- als Stresshormone frei.

Was lässt sich daraus schliessen? Das liberale Verständnis eines schlanken Staates mit einer effizienten Verwaltung hilft nicht nur den Steuerzahlerinnen. Sondern auch den Staatsangestellten. Wer gebraucht wird und produktiv ist, ist glücklich. Wer produktiv und glücklich ist, macht einen guten Job. Das beweist das Staatspersonal in dieser Krise. Darum, ganz ohne Ironie: Ein Hoch auf unsere Beamten!