Pandora Papers
Analyse zu den neuen Enthüllungen der «Pandora Papers»: Wer nicht handelt, schadet der Schweiz

Die Pandora Papers legen einmal mehr die trübe Rolle von einigen Schweizer Akteuren bei trüben Finanzgeschäften für dubiose Kundschaft offen. Die Politik muss dies endlich stoppen.

Henry Habegger
Henry Habegger
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Der ehemalige britische Primeminister Tony Blair und seine Frau Cherie Blair. Hunderte Politiker, Prominente, Superreiche oder religiöse Führer weltweit haben ihr Vermögen vor dem Fiskus versteckt - dies legen dien sogenannten Pandora Papers offen.

Der ehemalige britische Primeminister Tony Blair und seine Frau Cherie Blair. Hunderte Politiker, Prominente, Superreiche oder religiöse Führer weltweit haben ihr Vermögen vor dem Fiskus versteckt - dies legen dien sogenannten Pandora Papers offen.

Chris Jackson / AP

2016 waren es die Panama Papers, 2017 die Paradise Papers, jetzt die Pandora Papers. Alle (paar) Jahre wieder erhalten internationale Journalisten-Konsortien Unmengen an Daten zu Offshore-Konstrukten zugespielt. Es werden immer mehr. Diesmal waren es 11,9 Millionen Dokumente, die von 14 Kanzleien in Steueroasen stammen, ganze 3000 Gigabyte an Daten.

Dank der Leaks kann in vielen Fällen nachgezeichnet werden, wie Eliten aus Politik, Wirtschaft oder Verbrechen ihre Millionen und Milliarden weltweit verschieben und verstecken. Diesmal geht es um Grössen wie den jordanischen König Abdullah II. oder den tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babis.

Diese Klientel versteckt ihr Geld natürlich nicht selbst, sie vertraut auf die Dienste von Spezialisten, insbesondere von Anwälten und Treuhändern, die auch in der Schweiz sitzen. Die Schweiz, unabhängig und neutral, sicher und friedlich, ist immer noch vertrauenswürdiger und zuverlässiger als die meisten anderen Staaten, wenn es um den treuhänderischen sorgfältigen Umgang mit lichtscheuem Geld geht. Die Geldklientel, kriminell oder nicht, macht hier immer noch gerne Ferien, am liebsten in eigenen Villen in Nobelkurorten oder an den Ufern unserer schönen Seen. Sie kommen noch lieber hierhin, wenn ihr Geld von hier aus betreut wird. «In den Ferien besuchen sie gerne ihr Geld, um zu sehen, wie es ihm geht», sagte schon vor Jahren ein Tessiner Anwalt, der in Panama-Firmen von reichen Ausländern sass.

Zwar haben sich unsere Banken offiziell aus dem Geschäft mit anrüchigem Geld zurückgezogen, aber andere Kreise sind in die Bresche gesprungen im Geschäft mit der Gründung von Briefkas-tenfirmen und Trusts in Offshore-Paradiesen. Diese heiklen Dienste sind gut bezahlt.

Dass diese Geldversteck-Schweiz nach wie vor zuverlässig ist, zeigte sich im Frühling 2021. Da konnte die Anwaltslobby im Bundesparlament verhindern, dass sie verschärften Sorgfalts- und Meldepflichten im Kampf gegen Geldwäscherei unterzogen wurden. Sogar Finanzminister Ueli Maurer (SVP) wollte «Berater» stärker in die Pflicht nehmen, blitzte aber bei einer bürgerlichen Mehrheit ab. Jetzt zeigen die neuen Pandora Papers laut «Tages-Anzeiger» allein bei einer Karibik-Kanzlei, dass 7000 von 20000 Offshore-Firmen von Schweizer Anwälten und Treuhändern betreut werden. Längst nicht alle Gelder sind krimineller Herkunft. Aber warum dieses mit viel Energie betriebene Versteckspiel, wenn alles völlig sauber ist und legal?

Die Fabrikanten dieser Geldversteck-Konstrukte sind kreativ und erfinderisch, sie passen sich an und wechseln sich ab, sie finden neue Methoden, neue Schlupflöcher und neue Offshore-Plätze.

Das Mindeste, was die Politik tun kann und tun muss: alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die erkannten Schlupflöcher zu schliessen. Wer nicht handelt, schadet dem Land. Denn es geht auch um die Schweiz: Gelder anonymer oder unklarer Herkunft sind nicht harmlos, damit werden auch unsere Wirtschaft, unsere Institutionen, unsere Gesellschaft, damit wird unser Land unterwandert. Mafias nisten sich ein. Es ist verlogen, wenn gerade Kreise, die sich als Super-Patrioten geben, die Gesetze nicht anpassen wollen.

Immerhin, es bewegt sich etwas. Hoffnung ruht etwa auf dem neuen Bundesanwalt Stefan Blättler. Er kam nicht aus Liechtensteiner Finanzkreisen wie sein Vorgänger, sondern von der Berner Kantonspolizei. Den Kampf gegen Geldwäscherei und für einen sauberen Finanzplatz erklärt er zu einer Kernaufgabe.

An den «Pandora Papers» ist vor allem positiv: Die internationalen Geldverstecker können sich, dank immer grösserer Daten-Lecks, nicht mehr sicher fühlen. Die nächsten Enthüllungen kommen bestimmt.

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