Medien
Die Kraft von Umfragen – oder ich glaube, was ich glaube

Online-Umfragen können leicht manipuliert werden. Doch dies ist nicht der Punkt: Umfragen sind überhaupt nur bedingt zuverlässig.

Christian Mensch
Christian Mensch
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Ein Informatiker hat es ausprobiert, und es funktioniert: Online-Umfragen, wie sie nebst SRF praktisch alle Medien in der einen oder anderen Form praktizieren, sind manipulierbar. Aus einer Mehrheit von Gegnern von verschärften Covid-Massnahmen lässt sich eine Mehrheit von Befürwortern machen – oder umgekehrt.

Das ist allerdings nicht wirklich eine Überraschung. Umfragen sind manipulierbar und werden manipuliert, seit es Umfragen gibt. Manchmal ist es etwas einfacher, manchmal etwas komplizierter. Marktforschungsinstitute bauen dagegen Sicherungen ein. Da wird gewichtet, abgeglichen und aussortiert, was statistisch nicht ins Bild passt. Dann erhalten die Resultate das Prädikat «repräsentativ», was so etwa die Bio-Knospe für eine Umfrage darstellt.

Das eigentliche Phänomen ist denn auch, dass wir glauben wollen, was uns die Umfragen erzählen. Dabei sind Umfrageresultate auch ohne gezielte Beeinflussung allenfalls Annäherungen an eine Wirklichkeit. Resultate seien vorsichtig zu interpretieren, sagen denn auch die Demoskopen. Doch sie wissen, dass diese Warnungen so ernst genommen werden
wie die Aufzählung möglicher Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel einer Arznei.

Ich freue mich auf eine nächste Umfrage, wie glaubwürdig Umfragen eigentlich seien.

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