Leserdebatte
So könnte das Dampfschiff Gallia doch noch in Betrieb kommen

«Dampfschiff «Gallia» fährt dieses Jahr nicht mehr», Ausgabe vom 6. Juni

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Das Dampfschiff Gallia soll also aus Spargründen dieses Jahr nicht fahren. Diese Nachricht hat mich getroffen, das kann doch nicht sein. Seit über 25 Jahren bin ich Mitglied der Dampferfreunde. Jetzt schlägt die Stunde der Dampferfreunde, jetzt braucht es sie mehr denn je! Jetzt sollten sie die Mehrkosten für den Betrieb der «Gallia» übernehmen. Diesen einmaligen Unterstützungsbeitrag können sich die Dampferfreunde leisten, liegen bei ihnen doch seit Jahren über 4 Millionen Franken auf der Bank, das meiste in Wertschriften angelegt mit entsprechendem Kursrisiko. Darunter sind auch Legate von Menschen, die ihr Geld für die Erhaltung und den Betrieb der Dampfer gespendet haben und nicht bloss als Kapitalanlage. Im Vertrag der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) mit den Dampferfreunden wurde zugesichert, dass als Gegenleistung zur finanziellen Unterstützung eine bestimmte Anzahl Dampferkilometer gefahren und alle Dampfschiffe eingesetzt werden. Gilt dies nun nicht mehr? Wenn infolge der besonderen Lage die Situation für die SGV schwierig ist, dann ist es für die Dampferfreunde eine Pflicht, den Betrieb der «Gallia» zu unterstützen. Bekanntlich liegen die Mehrkosten eines Dampfschiffes gegenüber einem Motorschiff für eine Woche bei 30000 Franken. Mit 300000 Franken könnten die Dampferfreunde also die Mehrkosten für den Einsatz des Dampfschiffs in diesem Sommer übernehmen. Dampfer bringen erwiesenermassen mehr Passagiere und höhere Gastronomieumsätze als Motorschiffe und sind das Einzigartige auf unserem See. Wenn die Leute schon ermuntert werden, in der Schweiz Ferien zu verbringen, dann müssen doch alle unsere Dampfer fahren!

Bruno Amrhein, Kriens


Das seit Monaten die Welt beherrschende Coronavirus hat die Wirtschaft und die Kultur praktisch lahmgelegt. Die Folgen sind verheerend, unter anderem auch für die Schifffahrt. So hat sich die SGV entschlossen, ein Dampfschiff – die bei der Firmenspitze ohnehin nicht sehr beliebte «Gallia» – dieses Jahr aus Kostengründen nicht in See stechen zu lassen. Es ist eine Tatsache, dass die «Gallia» sehr viele Fans hat. Als Beweis existiert der so genannte «Club Gallia», in dem wir uns in Beiträgen wie Videos und Fotos zu den speziellen Eigenschaften, welche die «Gallia» auszeichnen, lobend äussern. Aus rein emotionaler Sicht ist es deshalb naheliegend, dass wir es bedauern, unsere «Gallia» – den schnellsten Raddampfer auf europäischen Binnengewässern – 2020 eingepackt, still und stumm in der Werft dahinvegetierend sehen zu müssen.

Es gibt ein Sprichwort, welches besagt: «Spare in der Zeit, so hast Du in der Not». Die SGV machte es gerade umgekehrt. Sie verschwendete zu Glanzzeiten zweistellige Millionenbeträge für den Bau des luxuriösen Motorschiffs «Diamant» und das überflüssige Motorschiff «Bürgenstock». Nun muss auch die SGV sparen. Und das berühmteste Sparopfer der Firma war und ist das Dampfschiff «Gallia». Ihre Stilllegung sei verschmerzbar, meinte der Herr der Schiffe im Mail an mich.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser aus wirtschaftlicher Sicht getroffene, harte Entscheid für den 107-jährigen Dampfer keine Folgeschäden nach sich ziehen wird und die stolze Grande Dame aus dem Hause Escher-Wyss hoffentlich – so Corona will – im 2021 wieder in strahlender Frische ihre speziellen Eigenschaften auf dem Vierwaldstättersee zur Schau stellen kann.

Marlene Zelger, Stans