Leserbrief
Meyers «Kundendienst»
lässt freundlich grüssen

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«Zur Pünktlichkeit bei den SBB: Nächster Halt: Gestrichen», Ausgabe vom 3. Juli

Der neuste Gag unserer Schweizerischen Bundesbahnen: Bei verspäteten Zügen lässt man Fahrgäste, die auf einem bestimmten Bahnhof aussteigen möchten/müssen einfach stehen und sie mit einem anderen Zug mit 
dem gewünschten Halteort, mit Verspätung natürlich, aussteigen.

Weit hat sie’s gebracht, unsere SBB! Ich war über 40 Jahre SBB-Lokführer und bin in dieser langen Zeit ein einziges Mal dort durchgefahren, wo ich hätte anhalten sollen. Das war an einem Morgen in Zürich-Wiedikon.

An das darauf folgende, administrative Theater erinnere ich mich noch heute: Dass man mir damals nicht gerade gekündigt hat, wundert mich noch heute. 
Ich habe den unverzeihlichen Zwischenfall zähneknirschend überlebt und hie 
und da sogar angehalten, 
wo ich nicht hätte anhalten müssen. Und niemand sagte etwas.

Was mich als pensionierter Lokführer ärgert: Unsere Fahrgäste haben ein gutes Recht, dort auszusteigen, wo sie aussteigen müssen und wollen – sofern ihr Zug dort planmässig hält. Da gibts kein wenn und kein aber; auch bei unseren hohen SBB-Herrschaften nicht.

Was da offenbar je länger je mehr passiert, ist alles andere als kundenfreundlich; das ist eine Sauerei. Man stelle sich vor: Herr Dr. Andreas Meyer, CEO der SBB, sitzt in der 
1. Klasse mit Gratis-GA-Familienabo und will aussteigen. Und der Zug fährt einfach durch. Meyers Theater wäre wohl kaum vorstellbar.

Die SBB waren für mich ein sicherer Arbeitgeber. Was da aber mit diesen unakzeptablen Durchfahrten auf Stationen, die «Halt» vorgeschrieben haben, passiert, geht auf keine Kuhhaut. Auch wenn der Stammzug dafür zwei, drei Minuten weitere Verspätung macht.

Meyers viel gepriesener «Kundendienst» lässt freundlich grüssen. Neiaberau.

Hansruedi Sägesser, Kriens