Leserbrief
Kritik sollte sachlich und sportlich bleiben

Zum Leserbrief «Die Fussball-Nati hat ein Identitätsproblem», Ausgabe vom 26. Juni

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Hans Lohri moniert in seinem Leserbrief ein Identitätsproblem der Schweizer Fussballnationalmannschaft. Es scheint, als nutze er, wie viele andere auch, grosse Fussballturniere als Ventil für sonstige Frustration. Das Traurige an der klaren Niederlage gegen Italien war nicht die schwache Leistung, sondern die Hetze und der Populismus, welche danach Platz in den sozialen Medien oder Kommentarspalten wiederfinden.

Wer sich näher mit dem Fussball auseinandersetzt und nicht nur grosse Turniere konsumiert, um danach gegen unsere besten Fussballer des Landes herzuziehen, weiss, dass die Leistungen auf dem Platz von vielem abhängen, jedoch sicher nicht vom Singen einer Nationalhymne oder ausgeprägtem Nationalstolz. Oder wie erklärt sich denn der Leserbriefschreiber, dass die erfolgreichste Nationalmannschaft der vergangenen Jahrzehnte, die Spanier, so erfolgreich waren? Geprägt von Fussballern aus Katalonien, welche bestimmt nicht mit Stolz der Hymne (Königlicher Marsch) aus Madrid gelauscht haben. Die Italiener haben in der Quali für die WM 2018 die Hymne auch mit Leidenschaft mitgesungen, und waren trotzdem nicht am Turnier dabei, nebst zuvor grossen Enttäuschungen an Endrunden.

Oder nehmen wir die Schweizer Nati von 1994. Kaum Secondos dabei, ein gutes Turnier über den Möglichkeiten gespielt, bei der Hymne hat jedoch kein Spieler auch nur im Ansatz mitgesungen, interessiert hat’s niemanden.

Nach so einem Spiel wie gegen Italien hat Kritik sicherlich ihre Berechtigung, jedoch sollte sie nicht als Nährboden für irgendwelche Wertediskussionen dienen, sondern sachlich und sportlich bleiben. Und würde sich der Leserbriefschreiber näher mit dem nationalen Fussball beschäftigen, wüsste er, dass wir ohne Secondos nie da wären, wo wir jetzt sind.

Elias Ineichen, Sempach Station

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