Leserbrief
Der wunde Punkt liegt ganz woanders

«Die Verteufelung des Diesels», Ausgabe vom 5. März

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Bundesrätin Sommaruga trifft keineswegs einen wunden Punkt, wenn sie meint, mit einer Offroader-Verteufelung könne ein nennenswerter Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Die jüngsten Aussagen unserer neuen Umweltministerin zeigen vielmehr, wie faktenfrei und populistisch die Politik mit dem Thema umgeht. Die Schweiz produziert etwa einen Zwanzigtausendstel des weltweiten CO2-Ausstosses. Der Verkehrsanteil beträgt rund einen Drittel, das heisst weltweit einen Sechzigtausendstel. Wir sollen nun Milliarden ausgeben, beziehungsweise umverteilen, um diesen Anteil etwas zu senken.

Kantonsparlamente werden gelobt, wenn sie den Klimanotstand ausrufen, obwohl das genau die symbolischen und im Grunde genommen lächerlichen Akte sind, welche die Greta-Thunberg-Jugend der Politik mit einem gewissen Recht vorwirft. Die Erneuerung des einzigen grossen und praktisch CO2-freien Stromproduktionsparks, der Kernenergie, wird unter Bezug auf einen Volksentscheid gar nicht geprüft, obwohl man inzwischen immer klarer erkennt, dass die alternativen Energieformen nicht in der Lage sind, den Ausfall zu kompensieren. Der Bestand an Windrädern etwa müsste verfünfzigfacht werden und die Umweltverbände wehren sich praktisch gegen alle Wasserkraftwerkerweiterungen. Und selbst wenn sämtliche Energie in unserem Lande fossilfrei produziert würde: Die von Sommaruga zitierten armen an Wassermangel leidenden Kühe würden genauso durstig lechzen, wie die Gletscher auch weiterhin schmelzen. Wetter und Klima werden nämlich auch künftig nicht in Bern gemacht. Geradezu paradox ist Sommarugas Lob auf die CO2-mässig so vorbildliche Fahrzeugflotte in Norwegen, das Land also, das diese Pionierrolle genau über den Export von Öl und Gas subventioniert. Ob dann norwegische Staatsanleihen auch auf die schwarze Anlageliste kommen?

Klimapolitik wird zunehmend zum moraldurchtränkten Ersatz für gesunden Menschenverstand und elementare Physik. Dazu passt bestens das Fasnachts-Bonmot: Wissen Sie, warum die Politik so gerne vom Fachkräftemangel spricht? Weil er in dieser Branche am grössten ist.

Ulrich Bollmann, Oberwil bei Zug

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