Leserbrief
«Bis es kein Thema mehr ist, wie Frauen in Erscheinung treten»

«Ein Aufschrei in Violett», Ausgabe vom 15. Juni

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Die Berichterstattung der Medien zum Frauenstreik vom 14. Juni war umfangreich und vielfältig. Und blieb zum Teil in den Geschlechterklischees hängen. So lese ich, dass die Hauptrednerin am Frauenstreik in Luzern, Noemi Grütter, blonde Haare hat, schwarze Kleider und ein gelbes Stirnband trug, Bundesrätin Amherd sich in einer violetten Bluse unter die Streikerinnen und Streiker mischte. An anderen Tagen vernehme ich aus den Medien, in welcher Kleider-farbe oder -style Bundesrätin Sommaruga, die ehemalige Regierungsratskandidatin Bärtsch, die Luzerner FDP-Vizepräsidentin Morand oder Economiesuisse-Präsidentin Rühl auftreten.

Nie lese ich jedoch was Bundesrat Berset, SNB-Direktor Jordan, der Kabarettist Friedli und die Luzerner Regierungsräte bei ihren Auftritten tragen und welche (allfällig vorhandene) Haarfarbe sie haben. Es werden ausschliesslich ihre Aussagen widergegeben.

Noemi Grütter von Amnesty International Schweiz sagte in ihrer Rede auch, dass wir Frauen streiken, weil wir immer noch auf unser Äusseres reduziert werden. Ich warte ungeduldig auf den Tag, bis es in den Medien kein Thema mehr ist, wie Frauen in Erscheinung treten, sondern nur noch das publiziert wird, was Inhalt ihrer Reden oder Statements ist.

Maria Portmann, Kriens


Ich wusste nicht, dass Frauen täglich sexuell belästigt, landesweit vergewaltigt und sonst wie am Weiterkommen behindert werden. So tönt es jedenfalls. Es gibt Frauen, grölende Frauen und Emanzen.

Frauen stehen dem Mann zur Seite, ergänzen ihn und erreichen gemeinsam ein Ziel, in der Familie, in der Freundschaft, in der Arbeitswelt und in der Politik. Das ist die Gegenwart.

Heute gibt es auch viele erfolgreiche Frauen, in der Wirtschaft oder in der Politik wie zum Beispiel Frau Petra Gössi, Präsidentin der FDP Schweiz oder Frau Bundesrätin Karin Keller-Suter zeigen. Sie alle sind erfolgreich und haben nichts von ihrer Weiblichkeit, von ihrem Charme verloren. Sie poltern nicht in der Gegend herum, man findet sie nicht auf der Strasse.

Grölende Frauen ziehen in Massen durch die Gassen und poltern. Ganz zu schweigen von den Emanzen die mit Megafon und geballten Fäusten auf dem Podium stehen. Sie streiken auf hohem Niveau.

Solche Streiks brauchte es einmal, in früheren Zeiten. Heute ist das der falsche Weg.

Emil Fritschy, Sarnen