Neue Strategie
Die SBB werden zur S-Bahn für das Mittelland – warum der neue Fokus richtig ist

Mit einer neuen Strategie wollen die SBB künftig vor allem in den Agglomerationen wachsen. Widerspricht das dem Service Public? Nein – und die finanzielle Lage erfordert den Schritt.

Stefan Ehrbar
Stefan Ehrbar
Drucken
Teilen
Die SBB verabschieden sich ein Stück weit vom Land.

Die SBB verabschieden sich ein Stück weit vom Land.

SBB

Das Rad neu erfunden haben die SBB nicht mit ihrer «Strategie 2030», die sie gestern vorstellten. Pünktliche Züge, bessere Kundeninformation und eine stabile finanzielle Lage sind keine besonders kontroversen Ideen. Auch an neuen Angeboten für den Freizeitverkehr gibt es nichts zu mäkeln. SBB-Chef Vincent Ducrot verwies als Vorbild auf den «Verbier-Express», der im Winter Skifahrerinnen und Skifahrer von Genf ins Skigebiet bringt. Ähnliche Angebote in der Deutschschweiz dürften sich lohnen.

Kontroverser mutet der angekündigte Fokus auf die Agglomerationen an. Dabei ist er nur konsequent. Die Bahn ist ein Massentransportmittel. Sie ist effizient, wo es viele Leute zu transportieren gibt – auch finanziell. Die S-Bahn zwischen Zürich und Winterthur schrieb 2019 laut dem Bund mit einem Kostendeckungsrad von 131 Prozent fast 8 Millionen Franken Gewinn. Jene zwischen Arth-Goldau und Biberbrugg deckte hingegen keine 20 Prozent ihrer Kosten mit Ticketeinnahmen.

Sollen die SBB in der Konsequenz zu einer S-Bahn für das dicht besiedelte Mittelland werden? Nein. Die flächendeckende Versorgung des Landes gehört zu ihren Kernaufgaben. Allerdings ist die finanzielle Situation der Bahn ernst. Dass sie künftig dort investieren will, wo die meisten ihrer Kunden wohnen, ist richtig – auch, weil der ländliche Raum hierzulande schon sehr gut erschlossen ist. Und in der kleinräumigen Schweiz profitieren schlussendlich alle von einem guten Angebot in den Agglomerationen.

Aktuelle Nachrichten