Kommentar
Wer uns am Ende wirklich sagt, wo’s lang geht

Dicke Post der Gasanbieter im Kanton Solothurn diese Woche: Im Zuge der weltweit explodierenden Erdgas- und Ölpreise erhöhen auch sie die Tarife erneut – und massiv.

Urs Mathys
Urs Mathys
Drucken
Teilen
Heizen und Kochen mit Gas wird deutlich teurer.

Heizen und Kochen mit Gas wird deutlich teurer.

Oliver Menge

Die Auswirkungen dieser Preiserhöhungen werden wir alle sehr bald in unserem Portemonnaie schmerzlich zu spüren bekommen. Zur Kostenexplosion tragen einerseits unliebsame Folgen der Coronapandemie bei: beeinträchtigte Gütertransportwege, Lieferengpässe und die Nachfragesteigerungen als Folge der wiedererstarkenden Weltwirtschaft.

Anderseits ist die Entwicklung auch nicht einfach Gott gewollt, stecken doch auch ganz handfeste Interessen dahinter. Etwa die von Wladimir Putin, der das nach Europa gelieferte Erdgas so dosieren lässt, dass Russland den vertraglichen Verpflichtungen gerade noch nachkommt – nicht mehr und nicht weniger. So will Putin den Westen dazu bringen, die neue Erdgaspipeline Nord Stream 2 zu seinen Bedingungen in Betrieb zu nehmen. Er weiss: Europa wird am Ende nachgeben, weil die Rechnung von verknapptem Angebot bei steigender Nachfrage immer aufgeht.

Ebenso weiss der Herr im Kreml nur zu gut, dass der energiemässig immer tiefer in die Abhängigkeit Moskaus schlitternde Westen sich so auch nicht mehr ganz so vollmundig für die wenigen noch nicht mundtot gemachten russischen Regimekritiker wird einsetzen mögen.

Auf den Schlauch treten aber auch die Ölpotentaten der Opec, die sich daran erinnert haben, welche Macht ihnen die koordinierte Steuerung der Ölfördermengen gibt. Mit allen anderen Abhängigen in Europa sind so auch Herr und Frau Solothurner auf Gedeih und Verderb den Folgen solcher Machtspiele ausgeliefert.

Erst kürzlich lehnten die Schweizerinnen und Schweizer das CO2-Gesetz mehrheitlich ab. Dieses hatte auf eine Reduktion der Auslandabhängigkeit im Energiesektor abgezielt und wollte erneuerbare einheimische Energien stärker fördern. Es war allen voran die Erdöllobby – mit Galionsfiguren wie dem Solothurner SVP-Nationalrat Christian Imark – die mit Erfolg das Schreckgespenst an die Wand gemalt hat, dass der böse Staat sich mit dem CO2-Gesetz ungebührlich in unser Leben einmischen wolle.

Nun sind es halt auch in Zukunft die Mächtigen der Ölstaaten und im Kreml, die uns am Ende sagen, wo’s lang geht.

Aktuelle Nachrichten