Kommentar
Der Solothurner Hochwasserschutz hat die Bewährungsprobe bestanden

Die in den letzten Jahren mit einem Aufwand von 130 Mio. Franken realisierten Schutzbauten an Emme und Aare hielten den gewaltigen Wassermassen stand.

Urs Mathys
Urs Mathys
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Die Emme nimmt beim Veloweg in Luterbach das ganze verbreiterte Flussbett in Anspruch (13. Juli 2021, zirka 16 Uhr).

Die Emme nimmt beim Veloweg in Luterbach das ganze verbreiterte Flussbett in Anspruch (13. Juli 2021, zirka 16 Uhr).

Rahel Meier

In den letzten Tagen und Wochen hat sich gezeigt, wie klein und machtlos der Mensch letztlich ist, wenn sich die Naturgewalten über ihm entladen: Zuerst massive Gewitter- und Hagelstürme, die gebietsweise grosse Schäden anrichteten; dann schier endlose heftige Regenfälle, die zu überfluteten Kellern führten und Bäche wie Flüsse streckenweise über die Ufer treten liessen. Noch sind nicht alle Gefahren gebannt, doch unter dem Strich darf man feststellen, dass die Schweiz und insbesondere der Kanton Solothurn – Stand jetzt – vergleichsweise glimpflich davongekommen sind.

Dass dies so ist, haben wir nicht (allein) dem gütigen Schicksal zu verdanken, sondern vorab der Tatsache, dass aus früher gemachten schlimmen Erfahrungen die richtigen Lehren gezogen worden sind. Die extremen Überschwemmungen von Emme und Aare in den Jahren 2005 und 2007, die Millionenschäden verursacht hatten, lösten umfangreiche Hochwasserschutzmassnahmen an beiden Flüssen aus.

Dabei machten die Planer nicht etwa die gleichen Fehler wie ihre Vorgänger, die die Gewässer stets noch weiter eingeengt und kanalisiert hatten. Vielmehr wurde die ebenso einfache wie geniale Idee realisiert, den Flüssen wo immer möglich wieder mehr Platz zu geben und so ihr Fassungsvermögen für den Fall der Fälle zu erweitern. So wurden die Hochwasserschutzarbeiten auch gleich zum Revitalisierungsprojekt für die Flusslandschaften. Mit – neben dem Sicherheitsgewinn – gleich mehrfachem Nutzen: Sie schufen mehr Lebensraum für Flora und Fauna, boten Gelegenheit zur Tilgung gefährlicher Altlasten und führten erst noch zu einer Aufwertung der Flusslandschaften als Naherholungsgebiete.

Diese Arbeiten hatten ihren Preis: 34 Mio. Franken waren es für die Aare im Niederamt; rund 96 Mio. Franken für die zwei Etappen an der Emme. Im Vorfeld der jeweiligen Volksabstimmungen hatte es nicht an Skeptikern gefehlt, die Sinn und Ausmass dieser «Luxusprojekte» in Zweifel gezogen haben. Nun zeigt sich schon bei der ersten ernsthaften Bewährungsprobe, dass das viele Geld mehr als gut investiert worden ist. Nicht auszuschliessen, dass schon die Wassermassen der letzten Tage weit grössere Schäden angerichtet hätten, wenn die Zweifler damals in der Mehrheit gewesen wären.