Kommentar
Das Vertrauen in die Impfpläne wurde auf die Probe gestellt

Flankiert von Pharmafirmen bekräftigt der Bundesrat den anvisierten Impffahrplan. Im April wird das Tempo deutlich zunehmen. Doch kurzfristig wird uns das wenig bringen.

Roman Schenkel
Roman Schenkel
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Ab April soll in den Impfzentren - hier in Burgdorf - deutlich mehr Betrieb herrschen.

Ab April soll in den Impfzentren - hier in Burgdorf - deutlich mehr Betrieb herrschen.

Anthony Anex / KEYSTONE

Noch vor wenigen Wochen brauchte sich der Bundesrat keine Sorgen um die Impfbereitschaft in der Schweiz machen. Wegen des guten Schutzes und aus Überdruss an den Einschränkungen wollten viele nur allzu gerne ihren Oberarm hinhalten. Das Problem war nicht die Impfbereitschaft, sondern der Mangel an Dosen.

Doch in den letzten Wochen wurde das Vertrauen ins Impfen auf die Probe gestellt, aus mehreren Gründen: Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca wurden in vielen Ländern wegen Thrombosegefahr ausgesetzt; in der Schweiz ist es noch nicht freigegeben. Für viele war zudem nicht nachvollziehbar, warum die Heilmittelbehörde einen Impfstoff - jenen von Johnson & Johnson zulässt, den die Schweiz gar nicht bestellen will. Hinzu kommen die Dauerprobleme: Die schleppende Anlieferung der Impfdosen und der der nur schleichende Fortschritt der Immunisierung in der Schweiz: Die Ungeduld wächst. Ebenso der Zweifel am Impffahrplan des Bundes.

Am Impfgipfel vom Donnerstag versuchte der Bundesrat die Bedenken zu zerstreuen. Man sei auf Kurs. Im April werde das Tempo deutlich zunehmen, bis Ende Juli soll die Schweiz über 10,5 Millionen Dosen im Land haben. Vertreter der Pharmafirmen beteuerten dies öffentlich. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte: Kurzfristig wird und das wenig helfen wird. Die Infektionszahlen steigen. Bei den Massnahmen stehen die Zeichen eher auf Verschärfung als auf Lockerung.

Entscheidend ist nun, was in den nächsten Wochen passiert, sonst werden wir zum dritten Mal erleben, was wir schon zweimal vergeblich zu verhindern versucht haben: Volle Intensivstationen und steigende Todeszahlen.