Café Fédéral
Jetzt ist Donald Trump das Vorbild der deutschen AfD, nicht mehr die Schweiz

Einst warb die Rechtspartei AfD in Deutschland mit der direkten Demokratie nach Schweizer Vorbild. Jetzt verdammt sie die Briefwahl – und wandelt auf den Spuren Donald Trumps.

Sven Altermatt
Sven Altermatt
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Ihre Partei nimmt die Briefwahl ins Visier: Die AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Alexander Gauland.

Ihre Partei nimmt die Briefwahl ins Visier: Die AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Alexander Gauland.

Bild: Filip Singer/Keystone (Berlin, 9. Februar 2021)

Ihre Liebe zur Schweiz ist tief. So tief, dass sie im Wahlkampf sogar schon Plakate mit dem Matterhorn aufhängen liess: Seit Jahren fordert die AfD, die selbst ernannte «Alternative für Deutschland», ein direktdemokratisches System nach Schweizer Vorbild. Mit Abstimmungen, Referenden, allem Drum und Dran. Damit würde «Volkes Stimme» endlich gewürdigt, findet die Rechtspartei.

Gnadenlos scheint die Schweizliebe der AfD-Granden dann doch nicht. In Deutschland stehen dieses Jahr wichtige Wahlen an. Im grossen Nachbarland ist es üblich, bei einem sogenannten Urnengang auch tatsächlich an die Urne zu gehen. Doch wegen der Pandemie sind die Bürger diesmal aufgerufen, per Brief zu wählen.

In der Schweiz gibts keine Probleme

Die AfD wittert deswegen einen Komplott: Ähnlich wie Donald Trump beginne die Partei, so formuliert es «Der Spiegel», «das Briefwahl-Bashing für sich zu entdecken». Der Postweg sei «unverhältnismässig und manipulationsanfällig», warnte etwa ein AfD-Parlamentarier aus Rheinland-Pfalz. Und in den sozialen Medien schaltete die Partei sogar Anzeigen, in denen sie die Briefwahl dämonisiert.

Auf eine Umschau in der Schweiz hat die AfD diesmal offenbar verzichtet. Schliesslich ist Wählen und Abstimmen per Brief hier seit vielen Jahren üblich. Die grosse Mehrheit der Beteiligten nutzt jeweils diese Möglichkeit – ohne dass es dabei nennenswerte Probleme gibt. Wie warb die AfD einmal: Im Gegensatz zur Berliner Regierung halte man «das deutsche Volk für ebenso mündig wie das der Schweizer».