Die Kolumne am Freitag
Kneubühl und Thomas Minder

Thomas Minder, heisst es, sei «der Vater der Abzocker-Initiative». Dieses altmodische Attribut «Vater» ist nur eine semantische Verlegenheit, weil man im gleichen Atemzug nicht «Initiant» und «Initiative» sagen will. Ist Minder so väterlich?

Max Dohner
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Alex Spichale

Nun – ein Fluss wird gespeist von Bächen. Bäche wiederum werden genährt durch Quellen. Nicht anders entwickelt sich eine Idee: erst zur politischen Unterströmung, dann zu einer Bewegung mit breiter Zugkraft.

Auch die Minder-Initiative hat mehrere Quellen und «Väter». Zum einen sind es unwissende «Väter»: Jene exorbitant verdienenden Wirtschaftskapitäne, die im politischen Boxjargon heute «Abzocker» heissen. Zum anderen quillen lange irrelevante, banale und dennoch tiefe Demütigungen plötzlich an die Oberfläche. Minder etwa verlor Geld, als die Swissair gegroundet wurde. Seine Zahnpasta wurde nicht mehr berappt, da Manager noch Millionen-Vorbezüge einsteckten. Damit war beim Kleinunternehmer – wie so oft bei Einzel-

kämpfern – eine längst angespannte Saite fast bis zum Zerreissen weiter belastet worden; «Schamgrenze und Ohnmacht» kann man diese Saite nennen.

Am letzten Samstag sassen in Schaffhausen drei Gymnasiallehrer (Philosophie, Deutsch und Geschichte) am Beizen-tisch, alle parteilos. Alle sagten, sie würden vorbehaltlos die Minder-Initiative unterstützen. Sie charakterisierten den Ständerat als «Steinbeisser», als «Munot-Kohlhaas» und «Don Quijote de la Rheinfall». Einmal fiel das Wort «Amok». Einer nahm den Ball auf und sagte, er fühle sich an den Amokschützen Peter Hans Kneubühl erinnert – selbstverständlich ohne die beiden zu verwechseln: Was beim Rentner in Biel zum Verfolgungswahn geführt habe, sei «vielleicht einen Millimeter jenseits der roten Linie», während sich Minder «einen Millimeter diesseits» bewege.

Weil der Pauker wohl ahnte, sich hier zu sehr auf Messers Schneide begeben zu haben, zitierte er am Ende zwei Zeilen einer Gedichtstrophe von Erich Kästner: «Nichts auf der Welt macht so gefährlich, / als tapfer und allein zu sein!»

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