Glosse
Mark Zuckerberg im Realitätstest: Lebt er vielleicht schon im Metaversum?

An einem Tag verlor Mark Zuckerberg 27 Milliarden Dollar. Sowohl die Börsianer als auch der Facebook-Gründer scheinen längst den Bezug zur Realität verloren zu haben.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
Drucken
Mark Zuckerberg wollte einst eine virtuelle Währung schaffen.

Mark Zuckerberg wollte einst eine virtuelle Währung schaffen.

Als Mark Zuckerberg am Donnerstagabend zu Bett ging, war er 27 Milliarden Dollar ärmer. Er hat das Geld nicht ausgegeben und es wurde ihm auch nichts gestohlen. Dennoch hat er es verloren. Obwohl er es gar nie real besass: es lag nie unter seinem Kopfkissen und nie auf seinem Konto. Es war eher eine virtuelle Zahl mit neun Nullen an der Börse, investiert in seinen Konzern Meta.

In einem Tag sank der Kurs um knapp 25 Prozent und der Konzern war damit fast 200 Milliarden weniger wert. Es war der grösste Verlust, der eine US-Firma innerhalb von 24 Stunden erlitt, berichtete die «Financial Times». Ein handfester Skandal ging dem Verlust nicht voraus: keine Datenschutz- oder Fake-News-Affäre. Bloss ein paar abstrakte (Wachstums-)Zahlen, die bei Facebook und Instagram nicht so gut aussahen wie bei der Konkurrenz Tiktok. Aber Börsianer haben ja längst den Realitätssinn verloren, heisst es.

Somit passen sie gut zu Mark Zuckerberg, der eine virtuelle Realität bauen, will, die das Internet einmal ablöst und so wichtig wie die reale Welt werden soll: ein sogenanntes Metaversum. Das Vorhaben interessiert auch Philosophen; sie erinnert es an ein altes Gedankenexperiment: Könnte es sein, dass wir alle nur in einer Simulation leben und wenn dem so ist, könnten wir das überhaupt herausfinden? (Die Antworten in Kurzform; erstens ja, zweitens wohl nicht.)

Jüngst hat der Philosoph David Chalmers aus New York das Buch «Reality+» publiziert, das sich solchen Fragen widmet. Für ihn ist «die virtuelle Realität so real wie die physikalische». Doch wenn es in einem perfekt simulierten Metaversum keinen Unterschied mehr zur Realität gibt, fragt man sich: Warum es überhaupt noch bauen? Für Zuckerberg ist zu hoffen, dass sich Börsianer nicht mit dieser Frage beschäftigen. Denn sonst schrumpft sein virtuelles Vermögen noch mehr – was irgendwann doch real schmerzen würde.