Steuerstreit
Freispruch: Im Zweifel für Raoul Weil

Der ehemalige UBS-Manager Raoul Weil ist am Montag in den USA freigesprochen worden. Die Verteidigung konnte in den Schlussplädoyers punkten und am Schluss fehlte der Nachweis einer Schuld.

Renzo Ruf, Washington
Renzo Ruf, Washington
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Raoul Weil wurde freigesprochen.

Raoul Weil wurde freigesprochen.

Fast auf den Tag genau sechs Jahre nach der Anklagerhebung ist der ehemalige Top-Banker Raoul Weil gestern von einem US-Bundesgericht in Florida freigesprochen worden. Die UBS, in deren Rängen Weil bis zu seinem abrupten Sturz als Chef des Vermögensverwaltungsgeschäfts tätig gewesen war, kann damit endlich einen Schlussstrich unter den langen Steuerstreit mit den USA ziehen. Denn nun steht fest, wie diese unrühmliche Episode, für die die UBS immerhin eine Busse von 780 Millionen Dollar bezahlen musste, einzuordnen ist – wenigstens in den Augen der Justitia. Weil, immerhin die Nummer 3 in der UBS, stand nicht an der Spitze einer kriminellen Verschwörung, entschieden die zwölf Geschworenen gestern nach einer überraschend kurzen Beratungszeit. Er war bloss ein Banker, der nichts wusste – oder nichts wissen wollte – vom Geschäftsgebaren seiner Untergebenen. Es gab demnach auch keinen diabolischen Plan des UBS-Managements, unter dem Schutzschild des schweizerischen Bankgeheimnisses den US-Fiskus zu betrügen.

Dieses Ergebnis mag für Kenner und Kritiker des Finanzplatzes Schweiz störend sein. Und es steht auch ein wenig im Widerspruch zum Abkommen, das die UBS im Jahr 2009 mit dem Justizministerium in Washington aushandelte. Wer den Prozess in Florida aber mitverfolgte, wird vom Entscheid der Geschworenen nicht weiter überrascht sein. Denn letztlich gelang es der Anklage nicht, den Nachweis für die Schuld von Raoul Weil zu erbringen, obwohl ihr mehr als 4 Millionen Seiten an Akten zur Verfügung standen. Im Zweifel für den Angeklagten: Von diesem Grundsatz der Rechtsprechung profitierte auch Raoul Weil.