Politiker
Die Moralprediger und der Heuchler

Klar, der Zeigefinger ist jeweils schnell erhoben, wenn sich ein Politiker nicht nach perfekter moralischer Manier verhält. Das ist nicht immer fair.

Anna Wanner
Anna Wanner
Drucken
Matthias Aebischer bezahlt angeblich mehr Steuern als er muss.

Matthias Aebischer bezahlt angeblich mehr Steuern als er muss.

Keystone

Die Öffentlichkeit darf nicht allzu streng sein und eine Veganer-Sympathisantin auch mal ein Würstchen essen lassen. Oder einem Grünen die Liebe zu Autorennen gönnen. Schliesslich sind Politiker auch nur Menschen (Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!). Doch zuweilen legen sich Politiker die Messlatte selbst so hoch, dass sie sie nicht einhalten können. Das geht nicht! Wasser predigen und Wein trinken – ein Drama in fünf Akten:

Den Auftakt macht Hans Fehr (SVP), der Ausländern am liebsten jedes Recht aberkennen würde. Er selbst stellte eine serbische Asylsuchende als Putzfrau ein, die schwarz für ihn arbeitete. Sein Parteikollege Roland Borer will hingegen den Einkaufstouristen an den Kragen. Er selbst aber ging im grenznahen Lörrach auf Shoppingtour. Margret Kiener Nellen (SP) tritt für Steuergerechtigkeit ein, selbst wendet die Millionärin aber jeden Trick an, um die eigene Rechnung zu optimieren. Und ihre Parteikollegin Susanne Leutenegger Oberholzer, die sich für die Unversehrtheit der Natur und Bergwelt einsetzt und natürlich die Zweitwohungsinitiative unterstützte, kaufte sich kurz vor Ablauf der Frist noch ein Wöhniglein in den Bergen.

Der Held, der die Ehre seiner Kollegen rettet, ist der junge Familienvater Matthias Aebischer (SP), der dem «Blick» erzählte, dass er mehr Steuern bezahle, als er müsse. Wobei: Das bringt den Topf der Heuchelei endgültig zum Überlaufen.

Aktuelle Nachrichten