Grenchner Bummel
Der Sturm vor der Ruhe

Wie uns Dip-Sösseli, Geschenkschlaufen und Papierstapel im Büro zur angeblich besinnlich-ruhigen Zeit auf Trab halten...

Oliver Menge
Oliver Menge
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Vorweihnachts-Zeit zum Ausruhen? Denkste!

Vorweihnachts-Zeit zum Ausruhen? Denkste!

Team Schwarz

«Wie schaffe ich das alles noch vor den Ferien», hat sich sicherlich der eine oder andere gestern Nachmittag auf der Arbeit gefragt. Mittags gab es einen Apéro, der Kopf war etwas schwer vom «Chlöpfmoscht», und doch mussten noch etliche Dinge erledigt werden, bevor man nun heute endlich die wohlverdiente Ruhepause antreten kann – sofern man jetzt tatsächlich Ferien hat und nicht nächste Woche noch einmal ranmuss: Die letzten Sendungen mussten raus, die letzten Rechnungen wurden verschickt. Die Produktionshalle wurde gewischt, das Pult aufgeräumt, der alte Kalender weggeschmissen, der neue schon aufgehängt. Den Kollegen ruft man «Schöni Feschttäg» nach, «u rütschet de guet!». Jetzt erholen.

Weit gefehlt, denn unter Umständen geht der Stress gleich weiter. Wie jedes Jahr stellen sich in diesen Tagen diese und ähnliche Fragen: Sind alle Weihnachtsgeschenke besorgt? Haben wir niemanden vergessen? Das Wichtelgeschenk für Franziska, ist das nicht etwas schäbig? Oder müssen wir es noch ein wenig aufpeppen? Wissen jetzt alle, was sie zum Familienfest mitbringen sollen? Oder müssen wir nochmals nachtelefonieren, um sicherzustellen, das Tante Ruth ihr Fleischfondue-Set mit Rechaud, Pfännli und Gabeln auch wirklich mitnimmt? Haben wir auch alle Zutaten für die selbst gemachten Sösseli? Und wie steht’s um den Vorrat an Fertigsaucen, für den Fall, die eigenen reichen nicht aus? Brennpaste? Ist die vom letzten Jahr noch gut? Kann die überhaupt schlecht werden?

Wen von unseren Freunden wollen wir jetzt noch spontan zum Weihnachtsschmaus einladen? Babette und Daniel sind bei ihren Eltern, Rolf und Monika haben selber ein Weihnachtsessen mit Freunden. Fränzi und Ändu fahren mit den Kleinen ins Ferienhaus. Und warum wurden wir eigentlich nicht eingeladen zu Rolf und Monika?? Ist die Bestellung beim Metzger ready? Wann können wir den Truthahn abholen? Wer geht? Und wenn er nicht in den Backofen passt, was machen wir dann? Müssen wir den noch ausmessen? Sind die Weihnachtsravioli vom Markt vegetarisch? Wegen Anette, die isst ja kein Fleisch. Ist überhaupt genug Essbares im Haus, um die drei Tage zu überstehen, an denen man nicht einkaufen kann? Und, und, und ...

Keine Frage, für längst nicht alle Menschen sind die Vor-Feiertage stressig, auch für den Bummler nicht. Im Gegenteil: Die Freude darauf überwiegt, die nächsten Tage im Kreise der Liebsten, der Familie, zusammen mit Freunden zu verbringen.
Es gibt auch Menschen, denen diese Tage nicht mehr bedeuten als ein aussergewöhnlich langes Wochenende. Oder aber diejenigen, die sich schwertun mit der ganzen Feierlichkeit und denen gerade jetzt Dinge hochkommen, an die sie lieber nicht denken würden. Zum Beispiel, dass sie Weihnachten alleine verbringen müssen. Kennen Sie so jemanden, liebe Leserin, lieber Leser? Wie wäre es mit einer spontanen Einladung? Vielleicht machen Sie jemandem so das grösste Geschenk. «Schöni Feschttäg!»