Sportjahr 2015
Der Fluch der ungeraden Jahre

Sport-Redaktor Marcel Kuchta schaut mit mässiger Vorfreude auf das Jahr 2015. Es gibt schlicht zu wenig Nervenkitzel für die Sportlerherzen - oder schauen wir einfach am falschen Ort?

Marcel Kuchta
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Vielleicht können uns die Schweizer Nati-Frauen (hier Fabienne Humm, Ana Maria Crnogorcevic und Lara Dickenmmann, v.l.) durch das Krisenjahr 2015 helfen.

Vielleicht können uns die Schweizer Nati-Frauen (hier Fabienne Humm, Ana Maria Crnogorcevic und Lara Dickenmmann, v.l.) durch das Krisenjahr 2015 helfen.

Keystone

Das Sportjahr 2015 steht vor der Tür. Wenn man die allerdings aufmacht, dann erwartet einen ... Nichts. Keine Olympischen Spiele, kein grosses Fussballturnier, kein absolutes Highlight, das einem schon Wochen vorher das Herz schneller schlagen lässt. Der Fluch der ungeraden Jahre schlägt wieder gnadenlos zu.

Man muss sich mit der alljährlich wiederkehrenden Alltagskost begnügen. Adelboden, Lauberhorn, Kitzbühel, immerhin eine Ski-WM. Die üblichen Radklassiker kommen auch irgendwann. Und Fussball wird ja auch immer gespielt. Aber dass Basel Meister wird, wissen wir jetzt schon. Ebenso, dass die Bayern in der Bundesliga nicht zu bremsen sind und Real Madrid wahrscheinlich erneut die Champions League gewinnt. Gähn.

Was also tun angesichts dieser trostlosen Perspektiven? Warum nicht mal aus den festgefahrenen Schemen ausbrechen und sich neuen Sportarten zuwenden? Zum Beispiel Rugby. Im September fällt in England der Startschuss zur nur alle vier Jahre stattfindenden WM. Ein schon fast episches Turnier mit 20 Mannschaften, das sich über sechs Wochen hinzieht. Die Rugby-WM gilt nach den Olympischen Spielen und der Fussball-WM als drittgrösster Sportanlass der Welt. Das tönt doch schon mal recht vielversprechend.

Nicht vergessen sollten wir ebenfalls, dass im Sommer ja trotzdem eine Fussball-Weltmeisterschaft auf dem Programm steht. Es ist zwar «nur» jene der Frauen, aber da sich die Schweizerinnen erstmals für das Finalturnier qualifizieren konnten, darf man dem Anlass die entsprechende Aufmerksamkeit schenken – auch wenn das Turnier ausgerechnet im Mutterland des Eishockeys – in Kanada – stattfindet. Passt irgendwie nicht.

Was darfs sonst noch sein? In Katar wird schon im Januar auch mal wieder eine WM ausgetragen. Zum Glück noch nicht jene der Fussballer (die sind erst 2022 dran), aber dafür jene der Handballer. Das haut uns aber ebenso wenig vom Hocker wie die Leichtathletik-WM in Peking – auch wenn wir dank Hussein, Kambundji und Co. zumindest wieder Athleten gehobenen Niveaus haben. Da bleibt nur ein Trost: Das Jahr 2016 kommt bestimmt. Olympia in Rio, Fussball-EM in Frankreich. Einfach toll, diese geraden Jahre!