Kommentar
Trump will Tiktok und WeChat aus dem App-Store schmeissen: Das ist ein Anschlag auf das freie Internet

Die Chinesen schränken das Internet schon lange ein. Nun folgen auch die Amerikaner dieser Strategie.

Raffael Schuppisser
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Raffael Schuppisser

Raffael Schuppisser

Bild: Sandra Ardizzone

Wer sich in China aufhält, merkt mit einem Blick auf sein Smartphone, dass die Welt hier eine andere ist. Weder Facebook noch Instagram, weder Google noch Twitter funktionieren. Die Regierung kontrolliert das Internet und sperrt den US-Techfirmen den Zugang zum chinesischen Markt.

Bald könnte die Welt in den USA auch eine andere sein. Die Regierung Trump droht China damit, das soziale Netzwerks Tiktok und den Messenger WeChat aus den App-Stores von Apple und Google zu werfen. Und zwar bereits diesen Sonntag. Damit wollen die Amerikaner Druck aufbauen und China dazu bewegen, auf einen Deal einzugehen, der seit Tagen im Raum steht. Der US-Software-Konzern Oracle soll die umstrittene chinesische App Tiktok in Amerika kontrollieren.

Trump will so sicherstellen, dass das soziale Netzwerk, auf dem Teenager lustige Tanzvideos veröffentlichen, nicht dazu missbraucht wird, Amerikaner auszuspionieren oder ihre Daten abzusaugen. Dafür ist der Präsident offenbar bereit, das Internet zu zensurieren. Für viele Menschen in den USA gehört Tiktok zum täglichen Medienkonsum. Und für Chinesen in den USA ist WeChat die wichtigste App – weil sie Funktionen von Facebook und Whatsapp vereint und den Kontakt zur Heimat garantiert.

Einst kritisierten die USA China für ihre Netzzensur. Nun schwenken sie selber auf den chinesischen Kurs ein. Während die Chinesen ihr Land vor westlichem Gedankengut abschirmen wollen, fürchten sich die USA vor Spionage. Beide Länder aber wollen ihre eigenen Internetdienste schützen - Tiktok ist längst zur Konkurrenz von Instagram geworden. Die Gründe mögen vielfältig; ein Anschlag auf das freie Internet ist es jedes Mal.