Stadtbummel Grenchen
«Z’mitzt am Rand» passt gut zur Stadt

«Am Rand stehend und doch im Mittelpunkt sein», so liesse sich die Mundartüberschrift dieses Stadtbummels übersetzen.

Roger Rossier
Roger Rossier
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Ich finde, dieser Titel passt gut zu Grenchen. Doch der Reihe nach: Das Sonderpädagogische Zentrum Bachtelen feiert dieses Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass werden in der letzten Septemberwoche während sechs Tagen Profis mit Laienschauspielern Wimmelspiele inszenieren. In zwanzig über das gesamte Bachtelen-Schulareal verteilten Kurztheateraufführungen werden Szenen aus dem Leben fremdplatzierter Kinder und Jugendlicher nachgespielt. Der auch als Hörspielautor tätige Bachtelen-Mitarbeiter Philipp Wilhelm hat nach ausgiebigen Recherchen berührende, lustige, aber auch unter die Haut gehende Geschichten aus dem Heim-Alltag niedergeschrieben. Erzählungen über Kinder, die wegen ihrer Herkunft oder ihrer Eigenheiten an den Rand der Gesellschaft gedrängt, im Bachtelen den Platz fanden und finden, der ihnen gebührt; «Z’mitzt am Rand» eben.

Und was hat diese Schlagzeile, an der auch Goethes himmelhoch jauchzender zu Tode betrübte Egmont seine Freude gehabt haben dürfte, sonst mit uns zu tun? Vieles kommt mir spontan in den Sinn: Grenchen befindet sich in der Mitte, zwischen den beiden Regionalzentren Solothurn und Biel. Gleichzeitig leidet die Uhrenstadt unter der Situation, am Rande des Kantons Solothurn zu liegen. Der Flughafen steht zwar am Rande der Wohngebiete, doch glaubt man den vielen Leserbriefschreibenden auch in der Mitte der schützenswerten Witi. Überhaupt steht die Schweiz geografisch mitten in Europa, geht es um wichtige Entscheidungen, sehen wir unsere Vertreter an den Rand gedrängt.

Und fühlen nicht auch wir uns manchmal wie «Z’mitzt am Rand» überlegte ich mir, als ich die Einladung der 57/58-Jahrgänger zum diesjährigen Jahrgänger-Treff in den Händen hielt? Stand unsere Babyboomer-Generation nicht erst gestern noch in der Mitte auf der Bühne der Weltveränderer, um heute leicht ergraut, mit ersten Anzeichen des Älterwerdens beschenkt festzustellen, dass sich unser Lebensweg langsam, aber sicher immer mehr von der Mitte weg hin an den Rand bewegt? Was solls? Ich freue mich heute schon auf die Festspielwoche im September und wünsche Ihnen ganz viele «Z’mitzt»-Augenblicke, vor allem wenn Sie einmal glauben sollten, «am Rand» zu stehen.

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