Persönlich
Keine Kapitulation

Balz Bruder
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Wahlpodium im Kofmehl.

Wahlpodium im Kofmehl.

Hanspeter Bärtschi

Es war gleichzeitig eine bereichernde und eine verstörende Erfahrung. Ein Podium mit den Kandidatinnen und Kandidaten für den Regierungsrat, wie es auch in Jahren zuvor hätte stattfinden können. Das Solothurner Kofmehl in Rot-Weiss getaucht; bequeme Sessel, Mikrofone, gespannte Erwartung, bis es endlich losgeht.

Doch etwas fehlt. Das Publikum, die Wählerinnen und Wähler, die sich informieren wollen, die Orientierung suchen, Auseinandersetzung auch. Stattdessen türmt sich Übertragungstechnik auf im Zuschauerraum. Tonnen technischen Materials.

Und dann drei Moderatoren, die scheinbar immer wieder den Kontakt zum Publikum suchen und stattdessen bloss in Kameras blicken, die keine Antworten liefern. Die Atmosphäre fehlt, das Knistern, das Raunen und Staunen. Die Kundgebungen von Zustimmung und Ablehnung.

Schlimm? Nein, mitnichten. Zuhause beim Re-Play der Übertragung ist scheinbar alles da. Spannend ist es, unterhaltsam zuweilen – obwohl es sich vor Ort kalt und leer anfühlt. Eine Wahrnehmungsverschiebung der besseren Art in Zeiten, da es wohl so wichtig war wie nie, die Formen der demokratischen Willens- und Meinungsbildung nicht vor Äusserlichkeiten wie Schutzkonzepten kapitulieren zu lassen. Wäre ja gelacht.

balz.bruder@chmedia.ch