Monica Gschwind
Vage Vorstellungen in der Kulturpolitik

Monica Gschwind hat im Wahlkampf klargemacht, wohin sie mit den Baselbieter Schulen will. Ihre Ziele in der Kulturpolitik bleiben hingegen auch nach der gestern vorgenommenen Direktionsverteilung vage.

Hans-Martin Jermann
Hans-Martin Jermann
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Monica Gschwind

Monica Gschwind

Nicole Nars-Zimmer

Die neue Bildungs- und Kulturdirektorin Monica Gschwind hat im Wahlkampf klargemacht, wohin sie mit den Baselbieter Schulen will. Ihre Ziele in der Kulturpolitik bleiben hingegen auch nach der gestern vorgenommenen Direktionsverteilung vage. Welche Auswirkungen hat der Wechsel des Sozialdemokraten Urs Wüthrich zur Freisinnigen Monica Gschwind auf die Kulturdebatte – insbesondere auf gemeinsam mit Basel-Stadt unterstützte Institutionen wie das Theater? Das lässt sich derzeit kaum abschätzen. Dennoch zwei Feststellungen.

Erstens: Gschwinds Hauptaugenmerk gilt ab dem 1. Juli nicht der Kultur, sondern der Volksschule. Man mag bedauern, dass die künftige Direktionsvorsteherin seit Jahren keine Vorstellung des Theaters Basel mehr besucht hat. Aus Sicht der Kulturschaffenden muss es allerdings kein Nachteil sein, wenn die Regierungsrätin keinen allzu starken Gestaltungswillen an den Tag legt und vor allem auf einen kompetenten – noch zu bestimmenden – Abteilungs-Chef setzt.

Zweitens: Die Beiträge an die Institutionen von Stadt und Land sind in einem vielschichtigen Vertrag festgehalten, der von den Regierungen beider Basel verabschiedet wurde. Eine Person alleine kann hier keinen Richtungswechsel bewirken. Nehmen wir das Theater Basel: Im vergangenen Herbst lehnte die Baselbieter Regierung höhere Subventionen ab; dieser Vorentscheid ist später vom Landrat mit knappem Mehr korrigiert worden. Wenn sich also am Wahlsonntag die Ausgangslage für solche Entscheide verändert hat, dann nicht wegen des Wechsels hin zu einer theaterkritischen Regierungsrätin, sondern wegen der Stärkung isolationistischer Kräfte im Baselbieter Parlament.

Es bleibt daher vorerst bei der lapidaren Bemerkung: In der Baselbieter Regierung ist nach dem Rücktritt von Urs Wüthrich (SP) kein Fürsprecher der städtischen Hochkultur mehr vertreten.