Kommentar
Ackermanns Gesellinnenstück

David Sieber
David Sieber
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Der Nachfolger von Thomas Kessler ist bekannt: Neuer Stadtentwickler von Basel wird der noch amtierende Stadtpräsident von Liestal Lukas Ott.

Der Nachfolger von Thomas Kessler ist bekannt: Neuer Stadtentwickler von Basel wird der noch amtierende Stadtpräsident von Liestal Lukas Ott.

Martin Toengi

Damit hat nun wirklich niemand gerechnet: Der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott wird neuer Basler Stadtentwickler. Er folgt damit auf Thomas Kessler, der von Regierungspräsident Guy Morin als quasi letzte Amtshandlung gefeuert wurde. Diese Entlassung, die für viel Aufregung gesorgt hat, ist nun definitiv Geschichte.

Denn mit der Wahl Otts ist Elisabeth Ackermann ein veritabler Coup gelungen. Die Befürchtung, dass die bis anhin eher farb- und konturlose Ackermann einen Geistesverwandten in ein Schlüsselamt hievt, war unbegründet. Denn Ott ist kein Verwalter. Er ist ein Gestalter, was er in Liestal unter Beweis gestellt hat. Niemand wird bestreiten können, dass sich das Stedtli unter seiner Ägide kräftig entwickelt hat.

Natürlich muss Ott nun erst beweisen, dass er auch einer grossen Stadt Impulse zu vermitteln vermag. Es ist ihm zuzutrauen, wofür nicht zuletzt seine vermittelnde Art spricht. Er ist keiner, der auf die Pauke haut und wichtige Partner vor den Kopf stösst. Hat er ein Ziel, bleibt er zwar hartnäckig dran, aber ohne unnötig Geschirr zu zerschlagen. Die Frage ist einzig, ob und wie schnell er den Rollenwechsel vom Exekutivpolitiker zum Staatsangestellten schafft.

Für Ackermann kommt diese Personalie einer Erlösung gleich. Nicht nur, weil sie eine der zahlreichen Baustellen in ihrem Departement geschlossen hat. Sondern auch, weil sie dabei relativ rasch und vor allem souverän vorging. Sie hat ein erstes Mal Managementqualitäten demonstriert. Man darf gespannt sein, wie sie die Nachfolge von Kulturchef Philippe Bischof regelt. Und wann sie sich der Museumsmisere widmet.

Dass die Grüne einen Grünen berufen hat, mögen die Dauerkritiker allenfalls monieren. Doch wäre das arg kleinlich. Problematischer ist es, dass Basel-Stadt einen Verbündeten in Baselland verliert. Denn Ott ist der grösste Fürsprecher der Universität. Sein Plan, die juristische und die Wirtschaftsfakultät in Liestal anzusiedeln, ist keineswegs nur lokalpolitisch motiviert.

Sie soll auch dazu beitragen, dass die Uni im klammen Landkanton jene (finanzielle) Unterstützung bekommt, die sie braucht. Wer für Ott in die Bresche springt, ist völlig ungewiss. Gut möglich, dass der Uni-Standort Liestal nun erst recht eine Utopie bleibt.