Renzi-Rücktritt
Überrascht?

Tommaso Manzin
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Hat sich verpokert: Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hatte seine politische Zukunft an die Referendums-Abstimmung geknüpft.

Hat sich verpokert: Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hatte seine politische Zukunft an die Referendums-Abstimmung geknüpft.

KEYSTONE/AP/GREGORIO BORGIA

Es überrascht uns nicht einmal mehr, dass wir nicht überrascht sind. Nach Brexit und Trump-Wahl haben also auch die Italiener ihren Politikern eine Abfuhr erteilt. Wobei es ihr Geheimnis bleiben wird, ob sie gegen Premier Matteo Renzis Verfassungsreform, ihn selbst, die EU oder gegen alles zusammen stimmten. Und noch etwas überrascht uns nicht mehr: Auch die Märkte waren vom «No» nicht überrascht.

Warum auch? Acht Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise wissen sie, dass es irgendwie immer weiter geht in Europa. Und in Italien erst: Das Kabinett Renzi war mit einer Amtszeit von fast drei Jahren sowieso schon in einer Art inoffizieller Nachspielzeit. Die EU hat Strukturen geschaffen, die sie resistenter machen. So gibt es einmal abgesehen vom Versprechen der Europäischen Zentralbank, alles zu tun für den Euro, etwa auch Abwicklungsvorschriften für strauchelnde Banken. Vor allem gewöhnt haben sich die Märkte aber daran, dass sie die Notenbanken bei jeden Anflug von Panik mit Liquidität sedieren.

Um es mit Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem und mit Blick auf die drohende Bankenkrise in Italien zu sagen: «Das ist ein demokratischer Prozess und ändert weder die wirtschaftliche Situation noch die Lage der Banken. Die Probleme sind dieselben wie gestern, und sie müssen gelöst werden.» Ja, eben, Sie müssen gelöst werden. Aber wer wird das tun? Bei so viel Tiefenentspannung auf allen Seiten würde es nicht überraschen, wenn europafeindliche Wahlen in Frankreich oder Deutschland im nächsten Jahr doch noch alle - ja - auf dem falschen Fuss erwischen.