Kolumne
Prosecco heilt alle Wunden

In ihrer Kolumne schreibt Social-Media-Star, Moderatorin und D-Promi Gülsha Adilji über ihre Detox-Erfahrung und wie sehr ihr das Glas Prosecco fehlt.

Gülsha Adilji
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Mit einem Glas Prosecco dreht sichs leichter, findet Gülsha.

Mit einem Glas Prosecco dreht sichs leichter, findet Gülsha.

Dancer's World/az

Hallo, ich bin Gülsha, Autorin und Moderatorin. Meine Miete bezahle ich mit Schreiben und Reden. Klingt toll, ist es aber nicht. Zumindest nicht immer. Gerade jetzt, zum Beispiel, ist es wükki Scheisse. Motivation isch nöd ume, Musse auch nicht. Das liegt daran, dass ich am Detoxen bin: kein Alkohol, kein Zucker und kein Gluten. Tag drei und ich bin hässig und gestresst, habe Spannungskopfschmerzen und eine wirklich kurze Lunte. Vorhin habe ich einer Fremden im Tram gesagt, sie atme zu laut und es verderbe mir den Appetit. Mein Gute-Laune-Elixir aka Prosecco fehlt so so sehr, dass ich sogar versucht habe, mich mit Welpen-Videos auf ein erträgliches Mood Level zu puschen. Klappt zu 8 Prozent und für ungefähr zwei Minuten.

Ich habe aber einen Abgabetermin für diese Kolumne einzuhalten und kann daher nicht warten, bis in drei Wochen der Knall von Korken den Serotonin-Saft wieder aus meinen Synapsen schiessen lässt. Häschtäg: Unsere Gesellschaft hat ein ernsthaftes Alkoholproblem. Also dresche ich für Sie meine kurzen Finger auf die Tastatur und habe entschieden, alle Dinge aus meinem Hirn zu poolen, die ich hasse; dies scheint mir in meinem Zustand am meisten Sinn zu ergeben, macht mir absolut keine Mühe und ist vielleicht sogar mittelmässig spannend für Sie.

Ich hasse:

  • Influencer. Das ist weder ein echter Beruf noch ein anständiges Hobby. Niemand möchte eure Acaj-Bowl-Rezepte nachdrapieren. Nein! NEIN, HAB ICH GESAGT.
  • Mikro-Brauereien mit ihren widerwärtigen Biersorten wie «Zander-Surfbrettwachs» oder «Regenwaldbeere-Kokospudding».
  • Naturwein. Es schmeckt wie verdünnter Essig. Sie können mich für eine Banausin halten, aber es stellt mir die Zehennägel quer, so zu tun, als würde mich der Satz am Glasboden nicht grausen.
  • Leute, die zum Einsteigen vor der Zugtüre stehen, als hinge ihr elendes Leben davon ab. Shame-Shame-Shame.
  • Instagram-Bildunterschriften wie «Freedom is a sate of mind», «Alredy missing those sunrise moments» oder «Whereever you go becomes a part of you somehow». So viel kann man gar nicht essen, wie ich da gerne erbrechen würde.
  • iPhone Updates.
  • Altpapier bündeln. Ehrlich, wer hat Zeit für diesen Scheiss?
  • Telefonieren. Es gibt absolut nichts, was man nicht auch mit einer WhatsApp, Sprachnachricht oder einer E-Mail lösen könnte.
  • Die Arbeitszeiten der Putzwagen, die mit meinen Schlafenszeiten kollidieren.
  • Die Tatsache, dass man PET noch immer nicht beim Altglas entsorgen kann. Als würden irgendwelche Leute am runden Tisch sitzen und sich überlegen, wie man das Volk genügend mit random Arbeiten beschäftigen kann.
  • Sich den kleinen Zeh am Bett stossen, obwohl man ihn sich gestern schon gestossen hat und die ganze Zeit während des Aufstehens dachte: «Nicht stossen, nicht stossen, Gülsha, ich wiederhole: nicht stossen.»
  • Frühstückslegastheniker, die glauben, dass Red Bull und eine Marlboro ein geeigneter Start in den Tag sind. «Hallo, Diabetes-Krebs am Telefon, wann kommst genau und kannst mir vielleicht Frozen Yogurt mitbringen?»
  • Ansagen von Piloten in Flugzeugen, die übertrieben locker klingen wollen. Das wirkt immer sehr beruhigend, nooot. –*Send Abschieds-WhatsApp an alle Freunde.
  • Leute, die immer noch «nooot» benutzen.
  • Lange Mails. Es ist 2017, absolut kein Mensch hat Zeit oder Lust, mehr als zwei Zeilen zu lesen.
  • Hotelzimmer-Toiletten! Wieso werden sie so unangenehm wie möglich gebaut? Ohne Fenster und mit einer Tür, die so schalldicht ist wie Rihannas Oberteile blickdicht. God bless das Lobby-WC.
  • Den Song «Eternal Flame». Dicht gefolgt von «Somebody That I Used To Know» von Gotye.
  • Langsames Internet. Keine Pointe. Das hasse ich zu sehr, um mir was halb Lustiges dazu einfallen zu lassen.
  • Hasslisten von unbekannten Menschen, die man abarbeiten muss.

Spätestens in drei Wochen hat es sich ausgedetoxt. Und dann werde ich gerne eine «Liebesliste» schreiben, da die Welt dank Prosecco wieder in ihre Bahn gelenkt wurde. Bis dahin hasse ich alles. Ausser Sie, Sie hasse ich nicht. Es sei denn natürlich, Sie schneiden Ihre Nägel im öV oder nehmen vor dem Schleudergang meine Wäsche aus der Maschine. Dann würde mein Hass auch nicht in mehreren Prosecco-Tanks ertränkt werden können.