Repol Zurzibiet
Bitte konsequent

Der Böttsteiner Gemeindeammann wirft seinem Klingnauer Amtskollegen indirekt Amtsgeheimnisverletzung vor. Der Kommentar.

Daniel Weissenbrunner
Daniel Weissenbrunner
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Aargauer Zeitung

Ob Klingnaus Stadtammann Reinhard Scherrer eine rote Linie überschritten hat, indem er über den Stand der Gespräche zum künftigen Standort der Regionalpolizei Zurzibiet öffentlich informierte, muss sich noch weisen. Im besten Fall bereinigt man die Angelegenheit gütlich – und ohne rechtliches Nachspiel. Die gleiche Frage stellt sich auch bei Böttsteins Ammann Patrick Gosteli. Seine ebenfalls geäusserte Kritik, dass Scherrer das Amtsgeheimnis verletzt haben soll, zeugt nicht von einem guten nachbarschaftlichen Einvernehmen.

Dass ausgerechnet Böttstein und Klingnau aneinandergeraten, erstaunt indessen nicht. In den letzten Jahren kam es zwischen den beiden Gemeinden wiederholt zu Verstimmungen. Sowohl beim Standort der künftigen Bezirksschule, der angeregten Fusionsidee einer Seestadt sowie in der Diskussion der Abwasserreinigungsanlagen wird nicht im stillen Kämmerlein debattiert, sondern schiebt man sich den schwarzen Peter öffentlich gegenseitig zu. Die Reibereien stehen im krassen Gegensatz zur Vision des Gemeindeverbandes Zurzibiet Regio, wo gebetsmühlenartig der Zusammenhalt im Bezirk propagiert wird.

Dass bei sämtlichen Streitigkeiten jeweils der Name Gosteli im Zentrum steht, überrascht nicht. Der Böttstemer Ammann ist dafür bekannt, dass er die Eigeninteressen unzimperlich vertritt. Damit haben manche Mühe, es ist aber sein gutes Recht. Irritierend ist allerdings, wenn er sich wie im vorliegenden Fall auf das Amtsgeheimnis beruft, aber gleichzeitig ein Mitglied aus seinem eigenen Gremium Interna in der Öffentlichkeit preisgibt. Konsequenterweise muss Gosteli bei besagtem Gemeinderat den gleichen Massstab anwenden wie beim vermeintlichen Fehlverhalten von Reinhard Scherrer. Alles andere wäre unglaubwürdig.

daniel.weissenbrunner@schweizamwochenende.ch