Kommentar
Dass sich Novartis zur Impfstoffproduktion bekennt, zeigt, dass der Konzern nicht nur die Rendite im Auge hat

Zwar ist das Geschäft mit Impfstoff weniger rentabel als dasjenige mit Hightechmedizin. Wie die Pandemie zeigt, sind Generika und Vakzine aber bedeutend für die Gesellschaft. Novartis hat dies offenbar erkannt.

Daniel Zulauf
Daniel Zulauf
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Novartis-Chef Vasant Narasimhan bekennt sich zur Tochterfirma Sandoz.

Novartis-Chef Vasant Narasimhan bekennt sich zur Tochterfirma Sandoz.

Jason Alden / Bloomberg

Die Herstellung von Nachahmer-Medikamenten ist weit weniger rentabel als das Geschäft mit Hightechmedizin. Da setzt seit drei Jahren auch Vasant Narasimhan die strategischen Akzente: Er veräusserte das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten nach Grossbritannien und schlug den Augenheilmittelkonzern Alcon via Börse los. Nach dieser Logik könnte der Novartis-CEO nun auch Sandoz aufgeben. Die Frage bekommt er regelmässig gestellt – auch gestern bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen.

Statt der üblichen Floskeln kam gestern allerdings ein klares Bekenntnis. Mit Sandoz erreiche Novartis sehr viele Patienten, das sei wichtig für den ganzen Konzern, sagte Narasimhan. Als Auftragsherstellerin von Corona-Vakzinen investiert die Generika-Tochter jetzt gerade zusätzliche Millionen in diese Patientenverankerung, im Wissen, dass daraus nie und nimmer eine Rendite-Perle werden kann, wie sie die Hightechmedizin eben ist.

Doch offenbar hat Novartis gemerkt, dass sich Rendite nicht ohne Nebenwirkungen beliebig maximieren lässt. Die Firma muss aufpassen, dass sie vor lauter Fokussierung auf superteure Therapien in der globalen Politik nicht die Relevanz als Medikamentenherstellerin verliert. Wenn das passiert, kann Novartis bei der Umgestaltung von Gesundheitssystemen nur noch bedingt mitreden, was kaum im Sinn der eigenen Aktionäre sein dürfte. Wenn Novartis die Rendite künftig mehr optimiert statt maximiert, ist dies ein positives Ergebnis für die Gesellschaft.