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Das Vakuum in der Kommunikation hat einen neuen «Mister Corona» hervorgebracht

Das Hickhack zwischen Bund und Kantonen im Herbst schwächte die Stellung der Politik in der Pandemie. In die Bresche sprang Martin Ackermann, Chef der wissenschaftlichen Taskforce.

Othmar von Matt
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Kommuniziert nüchtern, gradlinig und ehrlich: Martin Ackermann, Chef der wissenschaftlichen Taskforce.

Kommuniziert nüchtern, gradlinig und ehrlich: Martin Ackermann, Chef der wissenschaftlichen Taskforce.

Keystone (Bild: Bern, 12. November 2020)

Eine externe Untersuchung zeigte: Im Bundesamt für Gesundheit (BAG) kriselte es in der Pandemie heftig. Die interne Kommunikation kam zu kurz. Die neue Direktorin Anne Lévy bereinigte nun die Strukturen. Alles, was mit der Pandemie zu tun hat, ist intern einer eigenen Organisation unterstellt. Christine Kopp leitet sie als «Innenministerin». Nach aussen sollen BAG-Fachleute kommunizieren.

Othmar von Matt

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Keystone

Die Reform ist intern richtig. Das BAG unterschätzt aber die Kommunikation nach aussen sträflich. 2021 dürfte weitgehend im Zeichen der Pandemie stehen. Man denke nur an die Mutationen des Virus. Zudem hat sich in den letzten Monaten in Politik und Verwaltung ein kommunikatives Vakuum bemerkbar gemacht.

In der ersten Welle waren Gesundheitsminister Alain Berset und Daniel Koch vom BAG die Identifikationsfiguren, die durch die Krise führten. Das ist in der zweiten Welle anders.

Die Politik verlor mit dem Hickhack im Herbst zwischen Bund und Kantonen kommunikativ an Kraft und Ausstrahlung. Das zeigt sich exemplarisch an Gesundheitsminister Berset.

Dem BAG fehlt eine Identifikationsfigur, die das kompensieren könnte. Sobald Journalisten am Point de Presse auf Fachebene knifflige Fragen stellen, schielen die BAG-Fachleute zu Martin Ackermann, dem Chef der wissenschaftlichen Taskforce. Auf ihn blickt inzwischen auch die ganze Schweiz. Weil er nüchtern, gradlinig und ehrlich kommuniziert. Er ist zum neuen «Mister Corona» geworden.