Zürich
«Alle machen zu, wir machen auf» – die Surfsaison mitten in Zürich hat begonnen

Urbansurf bietet in Zürich-West wieder die Möglichkeit zum Wellenreiten – wegen Corona unter speziellen Bedingungen.

Matthias Scharrer
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Die Surfer sind zurück auf dem Zürcher Geroldareal.

Matthias Scharrer

Aloha! In Zürich hat am Donnerstag die Surfsaison begonnen: Einen Monat früher als sonst eröffnete Urbansurf. Seit 2018 ist die künstliche Welle in einem Pool auf dem Geroldareal gleich neben der Hardbrücke stationiert. Im Januar hat Carlo Capitanio das Steuer als Geschäftsführer übernommen – «in grossem Wellengang», wie er sagt.

Gemeint ist: Die Coronakrise hat auch diesen Freizeitbetrieb getroffen. Ein grosser Teil seiner Einnahmen kommt normalerweise aus dem dazugehörigen Gastrobetrieb, den Lounges, die rund um den Pool verteilt wären. Bis zu 560 Gäste dürften eigentlich auf dem Freiluftareal sein.

Jetzt sind es zwei Sechsergruppen von Surfern und ein paar Angestellte. Die Lounges sind weggeräumt. Stattdessen gibt's Absperrbänder, damit alles in geregelten Bahnen verläuft. Hinein darf nur, wer eine halbe Stunde Surfen gebucht hat.

«Wir probieren, mit dem Virus zu leben»

Letztes Jahr kam Urbansurf mit coronabedingt reduziertem Gastrobetrieb durch; die grosse Terrasse rund um den Pool rettete das Geschäft einigermassen. Jetzt ist lediglich Take-away erlaubt. Als Capitanio den Plan fasste, dennoch zu eröffnen, hätten viele in seinem Umfeld gesagt, er sei wahnsinnig, erzählt der 36-Jährige am Poolrand. «Da dachte ich mir: Dann machen wir es. Alle machen zu, wir machen auf.» Es solle auch ein Zeichen sein: «Wir probieren, mit dem Virus zu leben.»

Gemäss den derzeit geltenden Regeln des Bundes dürfen bis zu 15 Personen draussen zusammen Sport treiben. Mit den zwei Sechsergruppen, die jeweils auf dem Urbansurf-Areal sein dürfen, wird diese Zahl noch unterboten. Und: Im Pool ist Chlorwasser. Das desinfiziert. Viren können dort nicht überleben, wie Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit schon zu Beginn der Pandemie verlauten liess.

Um die Sicherheit noch zu erhöhen, tragen die Surfinstruktoren ein Kunststoffvisier vor dem Gesicht, wie Capitanio erzählt. Doch viele Kunden surfen ohnehin einfach für sich auf der stehenden Welle im Pool. Oft sind es Büroangestellte aus dem nahen Prime Tower, Banker, alles Mögliche. «In der Badehose und im Wetsuit sind alle gleich. Das ist das Schöne daran», sagt Capitanio. Und fügt an: «Wir wollen den Leuten die Chance geben, etwas Ferien zu geniessen, hier in unserem schönen Land.»

Offenbar herrscht Nachholbedarf: Die meisten Slots für die ersten Tage des Saisonstarts waren beim Saisonstart bereits ausverkauft. Der Betrieb ist jeweils donnerstags bis sonntags geöffnet.

Nur wenige künstliche Wellen vorhanden

Schweizweit gibt es laut Capitanio derzeit lediglich zwei künstliche Outdoor-Surfwellen: Jene auf dem Zürcher Geroldareal und eine in Luzern. Zudem ist in Regensdorf seit Jahren ein Surfpark in Planung. Der Bau verzögerte sich aber mehrmals. Aktuell wird eine Eröffnung 2024 angepeilt.

Doch zurück zur Welle beim Bahnhof Hardbrücke. Aus den Boxen plätschert Musik von Jack Johnson. Im Surfshop wachst ein Maskierter sein Brett. Die Sonne spiegelt sich in der Glasfassade des Prime Towers. Und tatsächlich kommt so etwas wie Ferienstimmung auf.

So bleiben Sie trotz Corona in Bewegung

Mehr Homeoffice wegen Corona führt bei vielen zu Bewegungsmangel. Zumal sportliche Aktivitäten durch die Coronaschutzmassnahmen eingeschränkt sind. Die Folgen sind häufig Verspannungen. Doch es bestehen durchaus noch Möglichkeiten, sich in Coronazeiten losgelöst vom Bildschirm zu bewegen: Joggingpfade am Waldrand, Fitnessparcours, Velotouren und Yoga sind die Klassiker. Daneben gibt’s im Raum Zürich einige spezielle Angebote:

Urbansurf: Gleich neben der Hardbrücke in Zürich-West (Geroldstrasse 11C) lässt es sich in einem Pool auf einer stehenden Welle surfen (siehe Haupttext).

Der Freestyle- und Bikepark auf der Zürcher Allmend (Moosgutstrasse/Allmendstrasse) ist zurzeit täglich geöffnet – eine der grössten Freestyle-Anlagen Europas. Biker, Skater und Trottinett-piloten können sich hier austoben.

Street-Workout-Anlagen mit Stangen für Klimmzüge und so gibt es vielerorts. Eine befindet sich in Zürich beim Eingang des Freestyle-Parks Allmend, weitere gibt’s unter anderem in Dietikon (Kirchhalde), auf dem Hönggerberg (Wannenweg, Zürich), in Birmensdorf (Stallikonerstrasse 30) und in Winterthur (Oberer Deutweg 31).

Lucky Punch bietet derzeit mehrmals täglich Outdoor-Box-Trainings beim Zürcher Club Hive (Geroldstrasse 5) an. Online-Anmeldung erforderlich.

Am 10. April beginnt zudem die Badi-Saison in Zürich: Als Erstes eröffnet das Seebad Utoquai. Der Zürichsee ist allerdings erst zehn Grad warm.

Und auch beim Outdoorsport gilt wegen Corona: Abstand halten, Hände waschen, grosse Menschenansammlungen meiden. Wer sich krank fühlt, bleibt zu Hause. (mts)