Zürich
Aktuell 10'4000 ukrainische Flüchlinge im Kanton Zürich – Gastfamilien beherbergen sie länger als geplant

Bis zu 80 Prozent der Menschen sind bislang privat untergebracht, sagte Jörg Kündig vom Gemeindepräsidentenverband an einer Pressekonferenz am Dienstag.

SDA
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Momentan befinden sich rund 10’400 Personen aus der Ukraine mit Schutzstatus S im Kanton Zürich, sagte Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos) am Dienstag vor den Medien.
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Bei der Hilfe für die Kriegsflüchtlinge spannen nicht nur Kanton, Städte und Gemeinden zusammen, sondern auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften. Hier im Bild: Franziska Driessen-Reding vom Synodalrat der Katholischen Kirche.
Die Kirchen können unterstützend und ergänzend wirken, sagte Franziska Driessen-Reding vom Synodalrat der Katholischen Kirche.
Mario Fehr und Franziska Driessen-Reding.
Ivana Mehr ist Fachverantwortliche Migration der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich.
Der Schutzstatus S für ukrainische Flüchtlinge läuft im März 2023 aus. Der Bund müsse sich rechtzeitig Gedanken machen, wie es danach weitergehe, sagt Mario Fehr.
Jörg Kündig ist Präsident des Verbands der Gemeindepräsidien des Kantons Zürich.
Bis zu 80 Prozent der ukrainischen Flüchtlinge im Kanton Zürich sind bislang privat untergebracht, sagte Jörg Kündig an der Pressekonferenz.
In der Stadt Zürich sind von den aktuell rund 2000 Personen mit Schutzstatus S sogar 90 Prozent privat untergebracht, wie Stadtrat Raphael Golta (SP) sagte.
Planungen für die längerfristige Unterbringung laufen, denkbar sind auch Containerdörfer. Details sollen im Herbst kommuniziert werden.
Etwa ein Viertel der Geflüchteten absolviert Deutschkurse.
Andere überlegen, ob sie zurückkehren, etwa wenn im September die Schule in der Ukraine wieder beginnt. Rückkehrer erhalten finanzielle Unterstützung.
Jacques Lande ist Präsident der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich. Auch er sprach an der Pressekonferenz.
Gerade wenn sich die Lage in Odessa verschlimmere, könnte es mehr jüdische Flüchtlinge geben. Denn in Odessa gibt es eine grössere jüdische Gemeinde, so Lande.
Regierungsrat Mario Fehr (parteilos) während der Pressekonferenz.
Flüchtlinge aus der Ukraine füllen Registrierungsformulare aus, in einem Zelt vor dem Bundesasylzentrum Zürich aus.

Momentan befinden sich rund 10’400 Personen aus der Ukraine mit Schutzstatus S im Kanton Zürich, sagte Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos) am Dienstag vor den Medien.

Alexandra Wey / Keystone (Zürich, 12. Juli 2022)

Der Zustrom der Ukraine-Flüchtlinge nimmt ab und einige kehren bereits wieder in ihre Heimat zurück. Viele dürften aber für längere Zeit in der Schweiz bleiben. Noch sind die meisten privat untergebracht, Kanton und Gemeinden suchen aber nach längerfristigen Lösungen.

Momentan befinden sich rund 10’400 Personen aus der Ukraine mit Schutzstatus S im Kanton Zürich, wie Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos) am Dienstag vor den Medien sagte. Dieser Status läuft im März 2023 aus. Der Bund müsse sich rechtzeitig Gedanken machen, wie es danach weitergehe, sagte Fehr.

Regierungsrat Mario Fehr (parteilos) während der Pressekonferenz.

Regierungsrat Mario Fehr (parteilos) während der Pressekonferenz.

Keystone

Bis zu 80 Prozent der Menschen sind bislang privat untergebracht, sagte Jörg Kündig, Präsident des Verbands der Gemeindepräsidien. In der Stadt Zürich sind von den aktuell rund 2000 Personen mit Schutzstatus S sogar 90 Prozent, wie Stadtrat Raphael Golta (SP) sagte.

Planungen für die längerfristige Unterbringung laufen, denkbar sind auch Containerdörfer. Details sollen im Herbst kommuniziert werden.

Jörg Kündig, Präsident des Verbands der Zürcher Gemeindepräsidien.

Jörg Kündig, Präsident des Verbands der Zürcher Gemeindepräsidien.

Keystone

2000 Franken für die Rückkehr

Etwa ein Viertel der Geflüchteten absolviert Deutschkurse. Dies sei ein klares Indiz, dass sie sich Gedanken machen, zu bleiben, so Kündig. Andere überlegten, ob sie zurückkehren, etwa wenn im September die Schule in der Ukraine wieder beginnt, sagte Fehr.

Rückkehrer erhalten finanzielle Unterstützung. So werde die Rückreise bezahlt und pro Person gibt es 500 Franken, für eine Familie maximal 2000 Franken, sagte Fehr. Auch hier erwartet er aber mehr vom Bund. Dieser müsse die Rückkehrhilfe organisieren.

«Man spürt eine gewisse Unruhe»

Viele Gastfamilien beherbergen Flüchtlinge schon länger als geplant. «Man spürt eine gewisse Unruhe», sagte Kündig. Doch Wohnungen zu finden sei nicht einfach. Wenn es nicht anders gehe, brauche man Sammelunterkünfte.

Bei der Hilfe für die Kriegsflüchtlinge spannen nicht nur Kanton, Städte und Gemeinden zusammen, sondern auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften. Sie können unterstützend und ergänzend wirken, wie Franziska Driessen-Reding vom Synodalrat der Katholischen Kirche sagte. So leisten sie etwa seelsorgerische Begleitung und spenden Trost.

Franziska Driessen-Reding, Präsidentin des Synodalrats der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Franziska Driessen-Reding, Präsidentin des Synodalrats der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Keystone

Viele Kirchgemeinden haben auch Wohnraum gemeldet, etwa grosse Pfarrhäuser, wie Ivana Mehr von der Evangelisch-reformierten Landeskirche sagte. Auch viele Mitglieder der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich kümmern sich um Flüchtlinge, sagte Präsident Jacques Lande. So wurde etwa eine 24 Stunden besetzte Notfallnummer ins Leben gerufen.

Einen Zustrom von mehr Flüchtlingen könnte es laut Lande geben, wenn sich die Lage in Odessa verschlimmert. Denn dort gebe es eine grosse jüdische Gemeinde.