Die Stadt mit ihren Gebäuden und Abfällen ist als Rohstoffmiene zu betrachten. So lautet der Grundsatz von Urban Mining. Aber nicht nur: Es ist auch seit 2011 das Motto des Massnahmeplans der Abfall- und Ressourcenwirtschaft des Kantons Zürich.

Die Kultur der Wiederverwendung aller vorhandenen Materialien ist ein fester Bestandteil im Bauwesen.

Dem Thema Urban Mining hat sich nun auch der SP-Kantonsrat Felix Hoesch (Zürich) verschrieben. Mit einer diesbezüglichen Anfrage wendet er sich an den Regierungsrat. Von diesem will er wissen, wie das Potenzial von Reuse eingeschätzt wird.

Das Prinzip Re-use funktioniert folgendermassen: Bei einem Hausrückbau beispielsweise werden Fassadenelemente, Eisenverstrebungen und Kupferteile voneinander getrennt. Während aus Holz wieder Energie wird, gelangt das Eisen zum Alteisenhändler. Aus den Resten von Beton und Mauern entsteht neuer Beton.

Durch die Verringerung von nicht verwertetem Abfall reduziert sich das benötigte Deponievolumen – kostbares Land steht zur Nutzung wieder zur Verfügung. Weiter will der Kantonsrat wissen, wie viel Deponieplatz mit diesem Prinzip eingespart werden kann und wie diese Baumethode im kantonalen Gebäudepark implementiert wird.

Viele Ziele, wenig Zahlen

Von einem Leuchtturmprojekt schreibt der Kantonsrat in seinem Vorstoss direkt selber. Die Rede ist von den ZHAW-Gebäuden auf dem ehemaligen Sulzer-Areal in Winterthur, die nach Urban-Minining-Standards um- und ausgebaut wurden.

Dahingehend will der SP-Kantonsrat vom Regierungsrat auch wissen, wie viel des besagten ZHAW-Gebäudes mit wiederverwendeten Baumaterialien erstellt wurde. Die Regierung soll in diesem Zusammenhang auch bekannt geben, inwiefern sie Urban Mining bei der Submission eigener Bauprojekte fordert beziehungsweise, wie sie diese Baumethode konkret fördert.

Tatsächlich ist der Kanton nicht untätig, wenn es um Urban Mining geht. Nicht nur im Bauwesen, sondern auch in der Phosphor-Rückgewinnung und beim Metallrecycling macht sich der Kanton für die Wiederverwendung von Rohstoffen stark.

Dies geht aus dem Massnahmenplan zur Abfall- und Ressourcenwirtschaft des Zürcher Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) hervor. Dies zeigt auch ein Erlass aus dem Jahr 2016.

Damals entschied der Regierungsrat Phosphor aus Klärschlamm zurückzugewinnen und in die Nahrungsmittelproduktion zurückzuführen. Denn seit nun mehr zwölf Jahren darf Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen nicht mehr als Dünger auf die Felder zurückgeführt werden – wegen der darin enthaltenen Schadstoffe.

Mit der neuen Klärschlammverwertungsanlage können aber fast 100 Prozent des darin enthaltenen Phosphors gewonnen und als Dünger weiterverwendet werden. Dadurch konnte der Kanton die Entsorungskosten, die seit 2006 beim Klärschlamm angefallen sind, um mehr als die Hälfte reduzieren.

«Mit dem Konzept Urban Mining haben wir zu einer anderen, erweiterten Wahrnehmung beigetragen: Wir leben in einem rohstoffreichen Land, und diese Erkenntnis gilt es konsequent zu nutzen», liess sich der zuständige Baudirektor damals zitieren.

Handfeste Zahlen dazu, wie viel an Deponieplatz, Energie und Kosten gespart wird, ist unbekannt. Dies zu beziffern, ist nun Aufgabe des Kantons.