Stadtreparatur
Autobahndeckel soll Park werden – und mehr als doppelt so teuer

Einst sollten es knapp 40 Millionen sein. Jetzt steigt der Beitrag der Stadt Zürich an die Autobahneinhausung in Schwamendingen auf 84 Millionen, wenn das Volk am 7. März Ja sagt. Dafür gibt's einen Park auf der Autobahn.

Matthias Scharrer
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So soll es auf dem Schwamendinger Autobahndeckel in drei Jahren aussehen.

So soll es auf dem Schwamendinger Autobahndeckel in drei Jahren aussehen.

Visualisierung zvg

Eine Parklandschaft mit Café, Sonnendächern und Spielplätzen soll die Autobahneinhausung in Zürich-Schwamendingen aufhübschen. Das kostet. Statt der knapp 40 Millionen Franken, um die es bei der Volksabstimmung im Jahr 2006 ging, soll sich der städtische Beitrag nun auf 83,8 Millionen Franken belaufen. Am 7. März entscheidet das Stadtzürcher Stimmvolk darüber.

Stadtrat Richard Wolff (AL) legte am Dienstag vor den Medien dar, wie es zur Verdoppelung der Kosten kam. 1999 hatte eine Volksinitiative die Einhausung der das Quartier zerschneidenden Autobahn verlangt. Daraus resultierte das Projekt von 2006. Damals sei die Lärmbekämpfung im Vordergrund gestanden. «Von einem Park war damals noch gar nicht die Rede», so Wolff, der dem Stadtrat seit 2013 angehört.

Von der Basisbegrünung zum Park

Die Abstimmungszeitung von 2006 zeigte allerdings ein Bild, auf dem der Autobahndeckel mit Grünflächen und Bäumen versehen war. Im Text dazu war jedoch von einer «Basisbegrünung» die Rede – und von einer Oberflächengestaltung mit Wegen, Beleuchtung, Bepflanzung und Sitzgelegenheiten.

Doch mit der Zeit kamen weitere Ansprüche hinzu: Statt der Basisbegrünung mit minimaler Oberflächengestaltung sollte nun ein Park her. Die Idee des Überlandparks war geboren. In der Folge stockte das Stadtparlament den städtischen Beitrag im Jahr 2011 um 18,5 Millionen Franken auf.

Damit nicht genug. Es folgten Dialogverfahren mit der Quartierbevölkerung in den Jahren 2012 und 2019. Anliegen wie öffentliche WCs, ein Pavillon und mehr Schatten kamen hinzu. Auch zwei Spielplätze soll der Überlandpark nun umfassen. Und im Pavillon in der Mitte des knapp einen Kilometer langen Parks auf der Autobahn ist ein Gastronomiebetrieb geplant.

Diese Anpassungen haben wiederum zusätzliche Strom- und Wasserleitungen zur Folge. Auch Schattendächer und eine seitliche Vertikalbegrünung der Autobahneinhausung sind nun vorgesehen, ebenso mehr Bäume und Sträucher.

Die Kosten steigen dadurch nach der Aufstockung von 2011 um weitere 11,4 Millionen Franken. Hinzu kommt noch die allgemeine Teuerung seit 2006, die der Stadtrat auf 14,1 Millionen beziffert. Macht unter dem Strich 83,8 Millionen statt 39,8 Millionen Franken.

«Wir sind in einer anderen Zeit»

Da das Projekt sich wesentlich verändert hat, muss nun das Stimmvolk nochmals darüber befinden, während die Bauarbeiten für die Autobahneinhausung längst laufen. So sieht es das kantonale Gemeindegesetz vor. Faktisch geht es bei der Abstimmung jedoch lediglich um die nun zusätzlich beantragten 11,4 Millionen Franken, wie Wolff sagte. Lehnt das Volk diese ab, was eher unwahrscheinlich ist, komme die ursprünglich geplante Basisbegrünung zum Zug.

«Wir sind in einer anderen Zeit», begründete Wolff die Projektänderungen. Der Klimawandel und die Gestaltung des öffentlichen Raumes hätten an Bedeutung gewonnen. Während 2006 noch die Lärmbekämpfung das primäre Anliegen gewesen sei, stehe jetzt der Park im Vordergrund.

2024 soll die Einhausung der Autobahn in Schwamendingen fertig sein. Das Gesamtprojekt, zu dem auch die Sanierung des Schöneichtunnels und des Milchbucktunnels gehören, wird nun auf 609 Millionen Franken veranschlagt – fast dreimal so viel wie im Jahr 2006. Die Kosten teilen sich der Bund, der Kanton und die Stadt Zürich, wobei der Bund den Löwenanteil übernimmt.

Drei neue Autobahndeckel

Oft wurden Autobahnen relativ rücksichtslos durch Siedlungs- und Naturgebiete gebaut. Jetzt sind Reparaturen angesagt. Das zeigt nicht nur der Bau des 940 Meter langen Autobahndeckels in Zürich-Schwamendingen (siehe Haupttext). So kämpfte die Gemeinde Weiningen dafür, dass beim Bau der dritten Gubrist-Tunnelröhre die Einfahrt vor dem Tunnel überdacht wird. Das Bundesverwaltungsgericht gab ihr 2014 recht. Nun wird in Weiningen ein 100 Meter langer Autobahndeckel gebaut. Die Kosten veranschlagt das Bundesamt für Strassen (Astra) auf 25,5 Millionen Franken; die Hauptarbeiten sollen im April beginnen. Geplant ist auf dem Weininger Autobahndeckel eine Passerelle für Velofahrer und Fussgänger, ein Werkhof und ein Feuerwehrstützpunkt. Im Jahr 2025 soll der Deckel fertig sein. Auf der anderen Seite des Gubrists hat ein Stück Landschaftsreparatur bereits stattgefunden: Im Rahmen des Ausbaus der Zürcher Nordumfahrung hat das Astra die A1 beim Katzensee auf einer Länge von 580 Metern überdeckt. Das Projekt wurde im Herbst 2020 fertig. Es handelt sich um eine ökologische Ausgleichsfläche. Lediglich die Ränder sind für Passanten zugänglich und mit Bänken, Brunnen, Spielgeräten und Grillstellen ausgestattet. Laut Astra kostet die Überdeckung Katzensee 114 Millionen Franken. (mts)