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Nach dem Lockdown: Das Zürcher Kulturleben erwacht nur langsam

Probesitzen: Am Samstag gehen die meisten Kinos wieder auf. Theateraufführungen und Konzerte bleiben vorerst Mangelware.

Probesitzen: Am Samstag gehen die meisten Kinos wieder auf. Theateraufführungen und Konzerte bleiben vorerst Mangelware.

Ab Samstag sind wieder Publikumsveranstaltungen möglich, doch Zürichs Kulturhäuser lassen sich Zeit. Die Rahmenbedingungen für das Ende des Corona-Lockdowns waren lange unklar und sorgen für Kritik.

Der kulturelle Lockdown nähert sich seinem Ende: Ab Samstag sind Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen wieder zulässig. Doch das Angebot der Zürcher Kulturhäuser bleibt vorerst vergleichsweise mager. Einzig die Kinos bieten schon fast das volle Programm – wenn auch mit einschränkenden Corona-Schutzmassnahmen. So muss zwischen den Gästen oder Gästegruppen jeweils ein Sitz frei bleiben. Auch wird empfohlen, online zu reservieren. Allerdings sind noch nicht alle Zürcher Kinos ab Samstag wieder offen. Die Arthouse-Kinos etwa öffnen etappenweise. Ein Blick auf die Kino-Websites lohnt sich also in jedem Fall.

Nachtleben nur
bis Mitternacht

Zürichs Clubkultur braucht noch Zeit, um sich auf die vom Bundesrat am 27. Mai verkündeten Lockerungen einzustellen. «Niemand hat gedacht, dass es so schnell geht», sagt Alexander Bücheli, Sprecher der Bar- und Clubkommission Zürich. Auch herrsche Verunsicherung wegen der Rahmenbedingungen. Vor allem, dass die Clubs und Bars um Mitternacht schliessen müssen, sei eine massive Einschränkung für eine Kultur, die eigentlich in der Nacht stattfinde. Dennoch probieren es gemäss Bücheli einige Clubs bereits diesen Samstag wieder mit Tanzveranstaltungen, um ihrer Community nach der langen Zeit des Verzichts etwas zu bieten: der Supermarket, das Hive oder das Space Monkey, beispielsweise.

In Konzertlokalen wie der Roten Fabrik oder dem Moods laufen die Planungen erst an. Der Grund: Das Corona-Schutzkonzept für die Veranstaltungsbranche existiert erst seit Mittwoch, wie Carine Zuber sagt. Die Leiterin des Jazzklubs Moods will noch im Juni wieder Konzerte veranstalten, frühestens am 12. Juni. Ab heute werde das Moods neu eingerichtet, mit Sofas und Tischchen, an denen sich die Besucherinnen und Besucher mit dem nötigen Abstand niederlassen können. Auf die Sommerpause verzichte das Moods dieses Jahr.

Tonhalle-Orchester spielt dreimal täglich

In der Tonhalle Maag finden am 19., 20., 24. und 26. Juni wieder Konzerte statt, und zwar gleich dreimal täglich, nämlich um 12.15 Uhr, 18.30 Uhr und 20.30 Uhr. Aufgrund der bis
Mitte Juni geltenden Reisebeschränkungen könne Chefdirigent Paavo Järvi erst dann wieder aus London eingeflogen werden, sagt Kommunikationschefin Michaela Braun. Die Konzerte seien mit reduzierter Orchesterbesetzung von maximal 40 Musikerinnen und Musikern geplant.

Das Opernhaus lässt den Betrieb bis Anfang Juli ruhen. Vom 4. bis 12. Juli wartet es dann unter dem Titel «Finale» mit einem kleinen Festival mit Konzerten und Liederabenden auf, wie auf der Opernhaus-Website angekündigt ist.

Das Schauspielhaus Zürich nimmt den Betrieb am 12. Juni wieder auf, mit der Performance Composition 4 in der Schiffbauhalle. Sie war als Abschluss einer Triologie geplant und wird mit reduziertem Personal dargeboten, wie Schauspielhaus-Sprecherin Philine Erni sagt: Statt 15 stehen nur 4 Performerinnen und Performer auf der Bühne. Zudem wird das Publikum in Gruppen von 24 Personen von Station zu Station in der Halle geführt. «Wir haben uns dagegen entschieden, diese Spielzeit das Repertoire wiederaufzunehmen. Nach acht Wochen Pause, ohne Proben, unter den aktuellen Auflagen erschien uns das undenkbar», erklärt Erni.

Wer schon früher wieder Theaterluft schnuppern will, kann ab Montag ins Neumarkt-Theater und ins Theaterhaus Gessnerallee. Unter dem Titel «Naked Transitions» finden vom 8. bis 27. Juni in allen Räumen der Gessnerallee Lesungen, kleine Performances und Workshops statt. Und das Neumarkt-Theater startet zusammen mit dem Cabaret Voltaire sowie dem Zürcher Literaturhaus am 8. Juni eine Veranstaltungsreihe mit Theater, Musik und Performance, Literatur, Kunst und Cognac, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Im Angebot seien auch Formulare fürs Contact-Tracing und Desinfektionsmittel.

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