Während des Züri-Fäschts war der Sprungturm an der Quaibrücke noch doppelt so hoch: Gut trainierte Turmspringer stürzten sich akrobatisch aus bis zu 20 Metern Höhe ins Limmat- und Seewasser. Jetzt ist nur noch die zehn Meter hohe Plattform da. Seit vergangenem Freitag bis Ende der Sommerferien steht sie allen Mutigen offen, unter Aufsicht von städtischen Badmeistern des nahen Seebads Utoquai. Vor allem unter Zürichs Jugendlichen hat sich das schnell herumgesprochen.

Janik kam bereits am Sonntag mit Kollegen hierher. Sie fragten den Badmeister, ob sie hinaufdürften. Und sprangen dann ein paar mal hinunter. «Es blieben immer mehr Zuschauer auf der Brücke stehen», sagt der 13-Jährige. «Sie klatschten.»

Das sonnige Wetter, der See, der Fluss, die lebhafte Utoquai-Promenade: Die Bilder gehen um die Welt, in der Bilderflut von Instagram, Youtube und Facebook, in den Handyfotos der Touristen und der Einheimischen. Sie festigen das Bild einer Stadt, die längst nicht mehr nur als Stadt der Banken und des Geldes gesehen werden will. Sondern auch als quasi mediterrane Metropole nördlich der Alpen. Funpark statt Finanzplatz.

Bäuchlings und in Jeans aufs Wasser geplatscht

Dazu bietet der Sprungturm bei der Quaibrücke eine willkommene Plattform. Die Zuschauerschar auf der Brücke verlockt auch Selbstdarsteller, die sich besser nicht aus zehn Metern Höhe in den Übergang vom Zürichsee zur Limmat stürzen würden. So wie jener nicht mehr so junge Mann, von dem Janik berichtet: «Er sprang in Jeans, Kopf voran – und landete bäuchlings im Wasser, zweimal.» Dann habe ihn der Badmeister ermahnt, es besser sein zu lassen.

Badmeister Daniel Sigrist, stellvertretender Betriebsleiter des Bades Utoquai, behält gerade einen Jugendlichen im Auge, der schwer atmet. «Er war beim Aufprall aufs Wasser in Rücklage», sagt der Badmeister. Bald hat sich der Junge wieder erholt.

Sigrist kennt den Sprungturm-Betrieb bei der Quaibrücke, seit dieser nach dem Züri-Fäscht 2010 erstmals stattfand. «Schlimme Verletzungen gab es bisher nie», sagt er.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, ist während der Öffnungszeiten – bei schönem Wetter von 12 bis 20 Uhr – stets mindestens ein Badmeister an Ort und Stelle: Er ist per Funk mit dem nahen Bad Utoquai verbunden und kann notfalls auch Sanitäter oder die Wasserschutzpolizei rasch alarmieren. «Wichtig ist, dass niemand alkoholisiert auf den Turm steigt», sagt Sigrist. Und fügt an: «Wir übernehmen die Aufsicht. Aber gesprungen wird auf eigene Verantwortung.»

Ausserhalb der Öffnungszeiten und während der Street Parade sind die Leitern zum Sprungturm abgesperrt. Die meisten der Turmspringer seien männlich, sagt Sigrist. Das Durchschnittsalter liege bei 19 Jahren, habe ein Sportstudent vor ein paar Jahren ermittelt.

Janik und seine Kollegen sind auch wieder da. Sie bibbern etwas nach dem Sprung ins

21-gradige Wasser. Die Sonne drückt erst allmählich durch die Regenwolken der vergangenen Nacht. Die Frage, wie der Sprung war, beantworten die Jugendlichen wie aus einem Mund: «Cool.» Keine Angst gehabt? «Am gfürchigsten ists, wenn man auf der Leiter aufsteigt», sagt Janik. Und sein Kollege fügt fachmännisch an: «Beim ersten Mal sollte man nicht zu lange runterschauen.» Unter den zehn Metern Sprunghöhe liegen noch rund sieben Meter Seetiefe.