Kloten
Ex-Präsident des EHC Kloten fälschte Urkunden und verschob Geld: Jetzt wurde er wegen Betrug verurteilt

Teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten: Der ehemalige Präsident des EHC Kloten hatte mit Geld jongliert und den Hockeyclub an den Rand des Ruins gebracht.

Roland Jauch und Flavio Zwahlen
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Bircher im Februar 2012, als er noch Präsident des Spitzenclubs Kloten war. Da rumorte es schon länger. Im Mai trat er dann zurück.

Bircher im Februar 2012, als er noch Präsident des Spitzenclubs Kloten war. Da rumorte es schon länger. Im Mai trat er dann zurück.

Keystone

Jürg Bircher, der ehemalige Präsident des EHC Kloten, ist im abgekürzten Verfahren wegen Betrug, mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung, Misswirtschaft und mehrfacher Urkundenfälschung verurteilt worden.

Das Bezirksgericht Zürich hat am Mittwoch den von Bircher und der Staatsanwaltschaft ausgearbeiteten Urteilsvorschlag gutgeheissen: Der heute 56-Jährige wird demnach mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren bestraft. Sechs Monate davon muss er absitzen, wobei eine Halbgefangenschaft möglich ist.

Ziel der Halbgefangenschaft ist es, dass die verurteilte Person trotz Strafvollzug in ihrem beruflichen und sozialen Umfeld bleiben kann. Tagsüber kann sie ihrer Tätigkeit nachgehen, nur die Nächte und die Wochenenden verbringt sie im Gefängnis.

Innerhalb weniger als vier Jahren war der Klub fast bankrott

Bircher hatte im Januar 2009 das Zepter bei der EHC Kloten Sport AG übernommen. Der Club war damals finanziell und sportlich gut aufgestellt. Nur dreieinhalb Jahre später stand der Traditionsverein aus dem Zürcher Unterland jedoch kurz vor dem Bankrott: Es wurden ein riesiges Loch und ein Schaden von 11 Millionen Franken festgestellt.

Nun, nach Untersuchungen, die fast sieben Jahre dauerten, ist bekannt, wie das passieren konnte. In der Anklageschrift wird auf 96 Seiten beschrieben, wie der ehemalige Präsident getrickst, getäuscht und Geld zwischen der EHC Kloten Sport AG und seinen diversen Immobilienfirmen verschoben hatte.

So wurde in der Bilanz 2009/10 des Clubs ein mindestens 2,5 Millionen Franken zu hohes Vermögen ausgewiesen. Der Ertrag war ebenfalls zu hoch. Es wurden Rechnungen rückdatiert. Die Rechnung des Geschäftsjahres 2010/11 wies eine Unterbilanz von 1,24 Millionen aus. Bircher erklärte sich bereit, Sanierungszahlungen auszurichten, die er aber nie leistete. Seine eigenen Unternehmen waren da bereits schwer verschuldet.

Dreist war 2011 Birchers Verzicht auf ein Darlehen von einer Million Franken an Kloten. Denn über dieses verfügte er gar nicht mehr; er hatte die Forderung an eine Bank abgetreten. Obwohl der Eishockeyclub stark überschuldet war, bediente sich der Vereinspräsident gemäss Anklageschrift aus der EHC Kloten AG: Er veranlasste eigenmächtig ab Konten der Sport AG Zahlungen an seine Firmen und sich selbst in Höhe von 1,969 Millionen Franken.

Über 18 Millionen Franken Schaden hinterlassen

Zudem tätigte er aus den drei eigenen Unternehmen zwischen Januar 2010 und März 2012 Privatbezüge von total 3,817 Millionen Franken. In diesem Zusammenhang kam der Vorwurf der mehrfachen Misswirtschaft auf. Namentlich wegen nachlässiger Berufsausübung hatte er die Überschuldung herbeigeführt, die Firmen gingen im Juli 2012 konkurs. Sie hinterliessen bei den Gläubigern einen Totalschaden von 18,223 Millionen Franken.

Bircher wäre ab Ende 2010 bei seinen Unternehmen verpflichtet gewesen, Sanierungsmassnahmen einzuleiten oder sein Engagement in Kloten zu beenden, was er nicht tat. Er verbarg Verschuldungen durch Wertberichtigungen, blieb weiter im Geschäftsverkehr, wodurch für bestehende Gläubiger der Schaden vergrössert wurde. Die hohen Ausgaben für Kloten und die regelmässigen Bezüge für private Belange generierten keine Einnahmen. Bircher verschob Geld zwischen den drei Gesellschaften und Kloten, um die Liquidität dort einzusetzen, wo sie gerade am nötigsten erschien.

Der 56-Jährige ist noch immer in der Immobilienbranche tätig und hat im Jahr 2020 laut eigenen Angaben 400'000 Franken verdient. Schulden hat er keine. Sein Millionenvermögen steckt in Beteiligungen an verschiedenen Firmen. Mit der EHC Kloten AG hatte er sich aussergerichtlich verglichen und ihr 250'000 Franken bezahlt. Die AG zog in der Folge sämtliche Strafanzeigen zurück.