Geld

Eine 1000er-Note beschäftigt die Zürcher Gerichte

Innerhalb der Bank verschwand eine 1000er-Note. (Symbolbild)

Innerhalb der Bank verschwand eine 1000er-Note. (Symbolbild)

Mai 2015: Eine Seniorin meldete kurz nach dem Abheben in der Bank den Verlust einer 1000er-Note. Die Videoüberwachungen zeigen, dass der Mann hinter ihr eine verdächtige Bewegung ausführte. Seither sind sich die Gerichte in Zürich über dessen Schuld uneinig.

Eine Seniorin hob im Mai 2015 in einer Bank mehrere tausend Franken in bar ab. Als sie sich danach noch in der Bank hinsetzte, um das Geld zu zählen, merkte sie, dass ihr eine 1000er-Note fehlte. Sie ging zurück an den Schalter und meldete ihren Verlust.

Daraufhin blickten sich der Bankangestellte und die Frau in der Bank um, fanden die Note jedoch nicht. Auf der Videoüberwachung war aber zu sehen, wie der Mann, der hinter der Frau anstand, eine Bewegung machte, die so aussah, als ob er die Note einstecken würde.

Die Staatsanwaltschaft See/Oberland führte deshalb ein Strafverfahren gegen den Mann und erhob im Januar 2016 Anklage wegen unrechtmässiger Aneignung beim Bezirksgericht Uster. Gemäss Anklageschrift hat der Mann die Note in der Absicht eingesteckt, sich damit wirtschaftlich besserzustellen, und im Wissen, dass dieses Geld nicht ihm gehört. Dies bestreitet er aber offenbar, denn die Note bleibt bis zum heutigen Zeitpunkt verschwunden.

Das Verfahren wurde eingestellt. Für das Gericht ist nicht klar, wer und ob überhaupt jemand Eigentümer der Note war. Es beurteilte deshalb den Strafgesetzbuch-Artikel der unrechtmässigen Aneignung anders als die Staatsanwaltschaft.

Das ist vor allem bitter für das Opfer. Denn die Staatsanwaltschaft hatte den Aneignungs-Artikel so ausgelegt, dass es sich um ein Offizialdelikt gehandelt hätte. Nach Ansicht des Bezirksgerichts wird hingegen eine Strafanzeige benötigt. Da die Frau keine Anzeige gemacht hatte, fehlte gemäss Gericht eine Prozessvoraussetzung.

Die Staatsanwaltschaft erhob daraufhin Rekurs beim Zürcher Obergericht. Dieses gab in einem aktuellen Urteil der Staatsanwaltschaft teilweise Recht und wies den Fall zur Neubeurteilung ans Bezirksgericht Uster zurück.

Zwar folgt das Obergericht der Argumentation des Bezirksgerichts, dass es sich um ein Antragsdelikt handelt. Das Bezirksgericht muss nun aber noch den Vorwurf des «Nichtanzeigens eines Fundes» prüfen. Das Bezirksgericht hatte darauf verzichtet, ein solches Verfahren zu führen, da das Strafverfolgungsinteresse sehr gering sei. (sda)

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