Abstimmung
Die Besonnungsinitiative zum Schutz des Zürcher Seeufers blitzt ab

Das Stadtzürcher Stimmvolk will keinen erhöhten Schutz des Seeufers vor Schattenwurf durch Neubauten: Die Besonnungsinitiative, die genau dies forderte, lehnten 58 Prozent der Stimmberechtigten ab.

Matthias Scharrer
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Die Baustelle beim Seeufer in Zürich Wollishofen war Stein des Anstosses für die nun abgelehnte Besonnungsinitiative.

Die Baustelle beim Seeufer in Zürich Wollishofen war Stein des Anstosses für die nun abgelehnte Besonnungsinitiative.

Valentin Hehli

Der Schutz des Seeufers vor zusätzlichem Schattenwurf durch Neubauten ist in der Stadt Zürich kein Mehrheitsanliegen: Die Besonnungsinitiative wurde am Sonntag mit knapp 58 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Damit ist klar: Neubauten, die an die Seeuferanlagen angrenzen, dürfen grundsätzlich auch in Zukunft eine Höhe erreichen, die zusätzlichen Schatten auf Liegewiesen wirft. Allerdings nur, solange sie die bereits geltenden planungsrechtlichen Vorgaben erfüllen, insbesondere jene der Städtischen Bau- und Zonenordnung.

Initiant Peter-Wolfgang von Matt hatte mit der Besonnungsinitiative den Schutz der Seeuferanlagen vor Schattenwurf verstärken wollen. Stein des Anstosses war zum einen ein inzwischen begonnenes Bauprojekt für eine siebenstöckige Wohnsiedlung nahe am Seeufer in Zürich Wollishofen. Zum anderen bekämpfte er mit der Besonnungsinitiative das Projekt der Zürcher Kantonalbank für eine temporäre Seilbahn über den Zürichsee. Dieses ist aufgrund von Einsprachen weiterhin blockiert. Auch die längerfristig geplante Überbauung des Kibag-Areals am Wollishofer Seeufer ist ihm ein Dorn im Auge.

Initiant von Matt wertet Ergebnis als «Weckruf»

Nachdem das Abstimmungsresultat am Sonntag feststand, sprach von Matt von einer «verpassten Chance». Allerdings sei der relativ hohe Ja-Stimmenanteil auch als Weckruf zu verstehen. «Das Seebecken würde entstellt, wenn alle dort geplanten Bauprojekte realisiert würden», sagte von Matt. «Ich hoffe, dass der Gemeinderat unsere Anliegen künftig berücksichtigt.» Seine Hoffnungen setzt der parteilose Initiant insbesondere auf die Grünen und die AL, die die Besonnungsinitiative als einzige Parteien unterstützten.

Stadtrat André Odermatt (SP) zeigte sich «erleichtert, dass die Bevölkerung die Initiative abgelehnt hat». Das Abstimmungsergebnis deutete er so: «Die Stimmberechtigten wollen durchaus, dass dem Seeufer Sorge getragen wird, haben aber erkannt, dass die Initiative nicht zielführend ist.» Weiter betonte Hochbauvorstand Odermatt:

«Es ist auch dem Stadtrat ein grosses Anliegen, dass wir die Freiräume und Grünräume bewahren und erweitern.»

Dies gelte sowohl für die Umsetzung des von Stadt und Kanton entwickelten Seeufer-Leitbilds als auch im Hinblick auf die im November anstehende Volksabstimmung über den kommunalen Richtplan.

Zufrieden mit dem Abstimmungsergebnis zeigte sich auch die FDP: «Offensichtlich ist auch die Stimmbevölkerung der Meinung, dass der Vorlage die gesetzlichen Grundlagen fehlten und nur den ökologischen, nicht aber den ökonomischen Gegebenheiten bei der Entwicklung des Seebeckens Rechnung getragen wurde», hielt sie in ihrem Communiqué fest. Die Grünen werteten den Ja-Stimmen-Anteil von 42 Prozent für die Besonnungsinitiative als «klares Signal, dass ein grosser Teil der Bevölkerung auch über die Parteigrenzen hinter dem Anliegen der Initiative steht», wie sie in ihrer Mitteilung schreiben.

Alle Stadtkreise lehnten die Besonnungsinitiative ab

Am meisten Zustimmung erhielt die Besonnungsinitiative in den Stadtkreisen 1, 2 und 3, also den seenahen Gebieten Altstadt, Enge, Wollishofen sowie Wiedikon, mit gut 46 Prozent Ja-Stimmen. Die Ablehnung war in den Stadtkreisen 7 und 8, zu denen auch das Seefeld gehört, mit gut 63 Prozent Nein-Stimmen am höchsten.

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