Aesch

Zeichnen hat für sie etwas Meditatives

Ihre Bilder sind unter anderem von Pflanzen und Steinen inspiriert: Mariann Wiederkehr zeichnet mit Farbstiften und Kreide.

Die Primarlehrerin Mariann Wiederkehr zeichnet mit Farbstiften und Kreide, freie Tage braucht sie kaum.

In den Farbstiftboxen vor Mariann Wiederkehr stehen jeweils ein gutes Dutzend Stifte, deren Farbton sich nur um Nuancen unterscheidet. Seit bald 30 Jahren malt die ehemalige Primarlehrerin Bilder mit Farbstiften und Kreide. Das Messer des Spitzers, der neben den Farben steht, muss sie alle paar Tage auswechseln. Denn ohne gespitzten Farbstift werden ihre Bilder viel weniger «strahlend», wie die 76-jährige Aescherin das Endprodukt bezeichnen würde. Momentan fehlen einige Bilder in ihrem Atelier in Arni. Diese hängen zur Zeit in der Ausstellung im Alterszentrum Am Bach in Birmensdorf. «Ich wäre nicht auf die Idee gekommen dort auszustellen, doch der Leiter, Andreas Grieshaber, lud mich ein», sagt Wiederkehr. Genauso wie diese habe sich auch ihre erste Ausstellung mehr oder weniger dem Zufall zu verdanken. Vor bald 30 Jahren fand sie im Zürcher Handelsgericht statt. Dorthin lud sie ein Nachbar ein, der als Richter amtete.

Künstlerin statt Lehrerin

Mit der Ausstellung im Zürcher Gericht startete sie die Reihe von rund 50 Ausstellungen, die sie in den letzten Jahren durchführte. Hinter all diesen Erlebnissen habe kein fixer Plan gestanden. «Ich war einfach offen für das, was auf mich zukommt», sagt sie. Doch wäre sie alleine für die Finanzen ihrer Familie zuständig gewesen, hätte sie nicht alles so frei gestalten können. Dann hätte sie in ihren Beruf als Primarlehrerin zurückgehen müssen. Doch vor 30 Jahren sei es kaum möglich gewesen im Teilzeitpensum zu arbeiten, deshalb habe sie sich für den Weg in die Kunst entschieden.

Ihr Mann, Roland Wiederkehr sass 16 Jahre im Nationalrat, 15 Jahre als Vertreter des Landesrings der Unabhängigen (LdU) und danach noch ein Jahr als Parteiloser. Seine Kontakte verhalfen ihr auch zu prominenten Ausstellungsplätzen. So stellte sie in der Schweizer Botschaft in Washington aus und reiste während 21 Jahren jeweils im Mai an ein Strassenkunst-Festival nach Santa Barbara in Kalifornien. «Dort sieht man viele Reiche und Schauspieler», sagt sie. Es seien jeweils schöne Ferien gewesen, wenngleich sie vom Malen auf dem Asphalt «abgeschabte Finger und, trotz Knieschonern, aufgeriebene Knie» bekommen habe. Nach 21 Jahren sei 2018 darum das letzte Kreidebild entstanden. Reisen gehört aber weiterhin zu ihren Hobbys.

Ihrer Heimat in Aesch ist Wiederkehr nun bereits seit 40 Jahren treu. «Wir wollten nie wegziehen», sagt sie. Die Gemeinschaftssiedlung in der sie mit zehn weiteren Parteien wohnt, sei überdies eine schöne Art, um alt zu werden. «Wir machen nicht viel zusammen, aber man hat immer jemanden, den man kennt und mit dem man an schönen Sonntagen grillieren kann.»

Malen als Meditation

Früher war das Malen für Wiederkehr mehr ein Hobby. «Ich zeichnete bereits als Knirps. Meine Mutter behielt all meine Zeichnungen», sagt sie. Später wollte sie Modezeichnerin oder Lehrerin werden. Sie habe sich schliesslich von den Eltern überzeugen lassen, deren Präferenz klar auf dem Lehrerberuf lag. Doch das sei bestimmt eine gute Idee gewesen. Wieder etwas, was sich einfach ergeben habe. Nebst dem Hobby als Guggenmusikerin und ihrem Beruf nutzte sie die freien Minuten für das Zeichnen. Später gaben ihr die Kurse in der F + F Schule weitere Impulse für ihre Arbeit. «Ich malte auch Aquarelle. Doch da hatte ich ein Bild in einer halben Stunde.» Farbstifte seien ihr da viel lieber geworden.

Die Stunden, die sie an einem grossen Bild sitze, zähle sie bewusst nicht: «Sonst würde ich noch mehr merken, wie wenig ich pro Arbeitsstunde verdiene», sagt sie. Doch das Zeichnen ist für Wiederkehr mehr als nur Handwerk: Die Zeit, die sie in ihrem Atelier mit den Farbstiften verbringt, habe für sie etwas Meditatives. Es mache ihr auch nichts aus, dass sie dabei eine Siebentage-Woche hat. «Arbeit ist für mich Vergnügen und umgekehrt», sagt sie. Ohne Sonntagsarbeit würde ihr etwas fehlen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1