Schlieren

Wohnungsmiete: Sanierungen führen immer häufiger zu Kündigungen mit kurzer Frist

Der Mieterverband stellt fest, dass auch in der Region immer öfter Mietern bei Sanierungen gekündigt wird.

Der Mieterverband stellt fest, dass auch in der Region immer öfter Mietern bei Sanierungen gekündigt wird.

Weil die Liegenschaft saniert wird, kündigt die Verwaltung ihren Mietern mit kurzer Kündigungsfrist. Dieses Vorgehen kennt der Mieterverband vornehmlich aus Stadtzentren und fordert, dass Sanierungsarbeiten stets im bewohnten Zustand durchgeführt werden.

Dass Küche und Bad saniert werden sollen, sei schon länger bekannt gewesen, sagt Dominik Ritzmann. Der Schlieremer Gemeinderat der Grünen fiel jedoch Anfang Dezember aus allen Wolken, als ihm die Wohnungskündigung ins Haus flatterte. «Den acht Parteien im Mehrfamilienhaus werden vier Monate gegeben, um eine neue Bleibe zu finden», sagt er. Bis Ende März 2018 müssen alle die Liegenschaft im Zelgliquartier verlassen.

Das sei viel zu wenig Zeit, moniert er. «Besonders für die 80-jährige Dame, die bei uns im Haus wohnt, wird es schwierig. Wartelisten für Alterswohnungen sind teils lange», so Ritzmann. Dass Hausbesitzer in der Region immer öfter so achtlos agieren und die Bedürfnisse ihrer Mieterinnen und Mieter ignorieren, stosse ihm sauer auf.

Vorgehen für Mieterverband problematisch

Zwar handelt der Immobilienbesitzer nicht widerrechtlich. Doch für Walter Angst vom Zürcher Mieterverband ist das Handeln der Immobilienverwaltung problematisch: «Wir fordern, dass Sanierungsarbeiten stets im bewohnten Zustand durchgeführt werden. Das ist fast immer möglich», sagt er auf Anfrage. Etwa indem etappiert saniert würde und so Mietern eine Ersatzwohnung angeboten werden könne.

Der Mietverband stelle jedoch seit Jahren fest, dass die sogenannten Leerkündigungen vor Sanierungen zunehmen würden, so Angst weiter. Auf diese Weise würden Vermieter die Rendite in die Höhe treiben, indem sie grössere Mietzinserhöhungen vornehmen als bei Sanierungen im bewohnten Zustand. «Früher stellten wir vornehmlich in den städtischen Zentren fest, dass Vermieter zu diesem Mittel greifen», so Angst. Inzwischen werde jedoch auch in der Agglomeration oder in Nebenzentren wie Dietikon so vorgegangen.

Bei Neuvermietung bevorzugt

Eine Zusicherung vonseiten der Liegenschaftsbesitzer, dass die Bewohner nach Vollendung der Arbeiten wieder in ihre Wohnung einziehen können, gibt es laut Ritzmann nicht. «Wir würden bei den Neuvermietungen bevorzugt behandelt, hiess es.» Damit gibt sich Ritzmann nicht zufrieden: Gemeinsam mit drei weiteren Mieterparteien ficht er die Kündigung an und will eine Fristenerstreckung erwirken. Bereits im Februar finde der Termin bei der Schlichtungsbehörde statt.

Wie sind die Aussichten auf Erfolg? Angst sagt, dass Vermieter bereits davon ausgehen, dass Mieterinnen und Mieter bei der Schlichtungsbehörde eine Erstreckung beantragen. «Oftmals wird nach Einreichung einer Klage von der Verwaltung eine teilweise sehr kurze Erstreckung angeboten», so Angst. Der Mieterverband empfehle, nur darauf einzugehen, wenn die Erstreckung lange genug ist oder man im Rahmen dieser Frist bereits ein Ersatzobjekt gefunden habe.

Lockvogelangebot für Mieter

Aus welchen Gründen entschieden sich die restlichen vier Mietparteien gegen einen Gang vor die Schlichtungsbehörde? Laut Ritzmann haben zwei Parteien bereits eine neue Wohnung, zwei zogen die Einsprache zurück. Zudem: Den Mietern wurde ein Beitrag von 1000 Franken an Umzugskosten angeboten, wenn sie gemäss Kündigung ausziehen.

Wie beurteilt der Mieterverband solche Praktiken? Angst rät Mietern, auf keinen Fall auf einen solchen Deal einzugehen. «Dies ist ein Lockvogelangebot», sagt er. Wenn etwa aus Zeitnot bei der Suche eine zu teure Wohnung angemietet werden müsse, handle es sich um ein Verlustgeschäft für die Mieter. «Seriöse Verwaltungen verzichten auf solche Tricks, mit denen Mieter über den Tisch gezogen werden.

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, hält sich das Immobilienunternehmen bedeckt. «Da die Fragen ein derzeit laufendes Kündigungsschutzverfahren betreffen, können wir uns nicht dazu in den Medien äussern», heisst es vonseiten des Limmattaler Unternehmens.

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